Ein stimmungsvoller Abend mit Barockmusik
25.02.2026 Musik/KulturMit einem Konzert hat die Musikschule das kommende «Barockjahr» eröffnet. Im Fokus stand natürlich die Musik. Doch es wurden auch «Fährten» gelegt, die in das Lebensgefühl dieser Zeit führen.
ANNETTE KNÜSEL
Deutlich mehr als hundert Besucher waren ins Schulhaus Sennweid gekommen, um sich in eine faszinierende Welt entführen zu lassen. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt.
Musik und Instrumente aus einer anderen Epoche
Das Konzert zeigte, wie lebendig die Musik aus dem 17. Jahrhundert noch heute ist. Neun Musikerinnen – sieben davon unterrichten an der Musikschule Baar – spielten bekannte und weniger bekannte Stücke von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann und anderen. Sie spielten auf Instrumenten, die zwar meistenteils nicht 300 Jahre alt waren; die aber den Instrumenten der Barockzeit originalgetreu nachgebaut sind.
Musikschulleiter Benno Auf der Maur machte in seiner kurzen Ansprache auf die feinen Unterschiede aufmerksam: So bestehen die Saiten der Instrumente nicht aus Stahl, sondern aus Tierdarm. «Dadurch wird der Klang feiner und weicher als wir es uns gewohnt sind. Dafür muss auch häufiger während eines Konzertes gestimmt werden», erläuterte Auf der Maur. Auch die Bögen sind anders gebaut als heute üblich und müssen anders eingesetzt werden. Geige, Bratsche und Cello sahen ganz vertraut aus. Rein optisch ungewöhnlich, weil heute viel seltener, waren die Gambe, das Cembalo, die Violone und die sehr kunstvoll verzierte Mandoline. Und die Oboe klang zwar wie eine Oboe, sah aber aus wie eine Flöte!
Durch das kunstvolle Spiel der Musikerinnen entfaltete sich eine heitere und fröhliche Stimmung in der Aula. Neben der Musik trugen auch die glitzernden Kleider der Musikerinnen und die barocke Uniform des Schulleiters dazu bei, dass man sich fast wie in einem funkelnden, königlichen Schlosssaal fühlte – obwohl der moderne Raum nüchtern-hell ausgeleuchtet war.
Musik fürs Gemüt – auch heute noch
Die Barockmusik ist Kind einer Zeit, in der das Leben ein täglicher Kampf ums Überleben war – ohne Schutz vor Hunger und tödlichen Seuchen, ohne Motoren und elektrisches Licht, ohne warme Badewanne und schöne Kleidung, die halbwegs bequem zu tragen wäre. Musik war nicht der «Soundtrack meines Lebens». Vielmehr sollte sie ihre (privilegierten) Zuhörer für eine kurze Zeit die alltägliche Mühsal vergessen lassen und sie zu besseren Menschen machen. Sie ist auf Wirkung im Gemüt komponiert und entfaltet diese bis heute, wie an der aufmerksamen Stille im Publikum zu merken war.
Die Musikschule hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem anstehenden «Barockjahr» ein Tor zu dieser faszinierenden Welt aufzuschliessen und das fundierte Verständnis ihrer Musik zu ermöglichen. Nach dem Konzert konnte man sich die historischen Instrumente aus nächster Nähe anschauen, und die Musikerinnen beantworteten allfällige Fragen. Dieses Angebot wurde rege genutzt, es bildeten sich regelrechte Trauben um Cello, Gambe, Cembalo & Co.
Bis Ende Jahr wird es im Rahmen des Barockjahrs neben dem thematisch fokussierten Musikunterricht auch Veranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten geben, etwa die Vortragsreihe «Musik hören – Musik verstehen» mit Lion Galusser oder verschiedene Themenkonzerte. Diese Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich, kostenfrei (Spende erwünscht) und können auf der Website der Musikschule eingesehen werden.

