Eine Furzidee gegen den Klima-Kollaps

  26.02.2025 Musik/Kultur

In der Rathus-Schüür produzierte Nina Wägli nicht nur heisse Luft, sondern versuchte auf absurd komische Weise, etwas gegen eines der drängendsten Probleme unserer Zeit zu unternehmen. Zu diesem Zweck musste die Kabarettistin nicht nur von einer Kuh fliegen, sondern auch ihr gesamtes Leben und Handeln hinterfragen.

LUKAS SCHÄRER

Die Welt steht abwechselnd in Flammen oder wird von Überschwemmungen biblischen Ausmasses verwüstet. Mittendrin steht Nina Wägli, die ihre Augen nicht verschliessen und die Apokalypse nicht hinnehmen will. Letzten Donnerstag war die junge Frau mit den kurzen blonden Haaren mit ihrem flächenbrandneuen Programm «Over & Out» in der Rathus-Schüür zu Gast. Es war ein Nebeneinander von Live-Kabarett und Videoclips, die im Wechselgesang ein flottes Tempo und Situationskomik ermöglichten.

Kühe sind eine der prominentesten Ursachen des vom Menschen gemachten Klimawandels, furzen und rülpsen sie doch jährlich rund 100 Kilogramm Methan. Methan ist ein sehr viel stärkeres Klimagift als Kohlendioxid. Dass Kühe auch andere Probleme verursachen, musste Wägli an ihrem eigenen Leibe erfahren, als sie auf einem Rindvieh in «Over & Out» hinein ritt und auf die Nase fiel. Mit rosa Armschlinge erzählte sie von ihrem Leben als Flugbegleiterin und hinterfragte ihre Berufswahl als Klimakillerin. Auch die Ökobilanz eines Kindergeburtstages wurde berechnet und fürchterlich bunte Kleider ausgemistet.

Zusammenarbeit mit Klimaschutz-Organisation
Der Klimawandel ist eines der akutesten Probleme unserer Zeit. Wägli ist realistisch: «Wir können nur noch Schadensbegrenzung machen. Ich glaube aber fest daran, dass, wenn alle sich damit auseinandersetzen und versuchen, das Möglichste zu unternehmen, es eine Welle wird, die immer mächtiger wird.» Humor sei ihre Überlebensstrategie, fügt sie schmunzelnd hinzu. Wägli hat Sympathien für Fridays for Future und Klimaklebern: «Ich bin hin und her gerissen. Das Thema braucht immer wieder Aufmerksamkeit. Im Moment ist es wieder total eingeschlafen. Es ist wichtig, das engstirnige Denken zu sprengen. Das versuche ich auch in meinem Programm, in dem ich mit der Klimaschutz-Organisation ‹My Blue Planet› zusammenarbeite.»

Diese neuen Wege liegen für Wägli in der Wissenschaft. Immer mehr Menschen streiten den menschgemachten Klimawandel ab und negieren wissenschaftliche Tatsachen: «Es wird mit Überforderung zu tun haben. Es gehört zur Auseinandersetzung einzugestehen, dass wir ein Teil des Problems sind. Die Facts sind eindeutig. Ich habe für mein Programm ein Jahr zum Thema recherchiert.»

Mit Rap-Musik und Technik Teil der Lösung sein
Klimaaktivistin Greta Thunberg, die mit «How dare you!» die Menschheit aufgerüttelt hat, schoss sich in letzter Zeit ins Abseits: «Ein Problem ist, dass sie angefangen hat, sich zu Palästina zu äussern. Ich glaube andererseits, dass man jeder und jedem aus allem eine Fallgrube graben kann. Grundsätzlich finde ich Greta super, und ich thematisiere sie ja auch in meinem Stück. Ein Kind, eine junge Frau, die einen Aufschrei macht. Ich sage: ‹How dare me!› Wie wage ich es, es zuzulassen?» Wägli möchte nicht mehr Teil des Problems, sondern der Lösung sein. Zu diesem Zwecke schloss sie sich – natürlich mit Ökostrom – mit einem Wissenschaftler kurz: «Wir haben etwas erfunden, das das Methan der Kühe auffängt. Das funktioniert effektiv, und aus dem Methan kann man einen Treibstoff herstellen. Es braucht neue Wege. Hier ist die Schweiz leider sehr langsam. Gott sei Dank ist sie aber politisch stabil, sodass innovative Ideen ihren Raum haben.» Dass dies mehr auch nur rezent riechende heisse Luft ist, unterstrich sie mit ihrem pupsenden Rap «Let’s Break The Taboo», der auch auf Youtube zu finden ist und in Rinder-Füdli tritt.

Sich dem Klimawandel humoristisch zu nähern, fördert psychische Synergien, das Problem endlich mit offenen Augen und Herzen anzugehen. Mit tosendem Applaus pflichtete das Baarer Publikum der Kabarettistin bei.


Nina Wägli

Nina Wägli (1981) wuchs im Kanton Bern und den USA auf. Als Flight Attendant arbeitete sie bei der Swissair und groundete mit ihr 2001. Wägli besuchte die Bewegungsschauspielschule Comart in Zürich und studierte danach soziokulturelle Animation. Seit einer Dekade tourt sie als Dr. Pönk für die Stiftung Theodora durch Kinderspitäler. Sie feierte 2021 Premiere mit ihrem ersten Programm «verhedderet». Seit Januar ist Wägli mit «Over & Out» unterwegs. www.ninawägli.ch.


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