Er hat den Funk im Blut, auf Vinyl und im eigenen Buch

  14.01.2026 Musik/Kultur

Der Baarer Peter Wermelinger ist Musikenthusiast, DJ und ein ausgewiesener Kenner auf seinem Gebiet. Für die Baarer Zytig öffnete er die Türe zu seiner noch immer beachtlichen Plattensammlung und sprach über sein einzigartiges Lexikon.

LUKAS SCHÄRER

Peter Wermelinger ist ein auf den ersten Blick unscheinbarer Mann mit freundlichem Gesicht und Schalk im Nacken. Er wohnt mitten in Baar. Sein Herz schlägt für Funk, oder wie er es lieber ausdrückt: funky & groovy music. Entdeckt hat er das in den Siebzigern in der Loreto-Disco in Zug; «Dort wurden nebst Rock und Disco auch einzelne Funk-Stücke gespielt, etwa von James Brown, Stevie Wonder und Herbie Hancock. Dies löste aber noch kein Sammelfieber aus. Mein Umzug nach Zürich 1982 änderte alles. Da traf ich einen Freund, der im Dillons Club auflegte. Der Club-Besuch öffnete mir definitiv die Welt von funky music mit Partys bis morgens um 5 Uhr. Ich war so begeistert, dass ich sofort begann, viele der raren Platten zu suchen.» Die Begeisterung für das Plattensammeln führte bald zu einer umfangreichen, stetig wachsenden Sammlung, die nun wieder kleiner ist als auch schon: «Ich habe noch zirka 1’800 LPs, 4’000 Singles und 500 CDs. Die Anzahl ist nicht so massgebend, sondern die inhaltliche Qualität, weshalb ich die Sammlung laufend reorganisiere.»

1985 entstand die Idee eines Lexikons
Wermelinger begann, Platten mehrfach zu kaufen und zur Finanzierung seines Hobbys wiederum an andere Sammler zu verkaufen. «Als Informatiker kam mir dann um 1985 die Idee, die Platteninformationen in einer Datenbank zu organisieren. Um diese dann meinen Sammlerkollegen zur Verfügung stellen zu können, habe ich 1988 die erste Ausgabe in der Form eines dünnen Buches mit 3’200 gelisteten Alben herausgegeben», so Wermelinger.

Vier Jahrzehnte und viele tausend Stunden Recherchearbeit später ist daraus ein über 900-seitiges Lexikon mit 28’000 dokumentierten Veröffentlichungen und 5’000 Abbildungen geworden. Beabsichtigt war das nicht: «Hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich eher nicht damit begonnen.»

Es war nicht einfach, an Informationen, Fotos bzw. Scans von seltenen Platten zu kommen. Deshalb reiste Wermelinger nach London, Paris und New York: «Gewisse Sammler haben mich nur aufgrund persönlicher Empfehlungen anderer Sammler empfangen». Er fügt mit einem Schmunzeln an: «Sammler sind eine eigene Spezies.» Fertig ist so ein Vorhaben nie, und er arbeitet gerade an einer zehnten Ausgabe.

Funky Music als kulturelles Angebot in Baar
Mit «Rundfunk» ist auch eine Baarer Band gelistet, dazu weitere Schweizer Bands wie Funky Brotherhood, Clients Funk Project und Soulvision Allstars: «Das sind so gute Veröffentlichungen, dass diese zwingend aufgeführt werden müssen. Es sind Künstler, die das alte Erbe weiterführen.»

Parallel zum Lexikon hat er seit 1989 den Funk auch als DJ unter die Leute gebracht. Auch in der engeren Heimat Baar und im Kanton Zug tat und tut er vieles dafür: «Ja, zwischen 1992 und 1997 erweckten wir mit viel Aufwand den Funkhouse-Club in Baar-Sihlbrugg. Jeden Freitag und Samstag gab es Funk-Disco und 70 Funk-Konzerte – das waren noch Zeiten!» 2012 hat Wermelinger den «Funky Friday» ins Leben gerufen, bis 2017 in der Victoria Bar, ab 2018 nun im Dukes Saloon in Sihlbrugg. Er sagt: «Ziel war es, funky music als kulturelles Angebot wiederum in der Baarer Umgebung anzubieten.»

Auf www.funk.chgibtesnicht nur Infos über Wermelingers Buch und seine Auftritte als DJ, sondern auch viel Wissenswertes über dieses Genre, mit Hörbeispielen.


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