Erwartungen der Parteien an den Gemeinderat
21.10.2026 PolitikDas heutige Parteiforum dreht sich um die Erwartungen der Parteien an den Gemeinderat für die neue Legislatur. Das Thema kommt von Die Mitte Baar.
Was wünschen sich die Parteien vom Gemeinderat für die kommende Legislatur?
Wo sollen Schwerpunkte gesetzt werden?
Was soll der Gemeinderat anders machen als in der Vergangenheit?
SP
Jonas Gössi, SP, Vorstandsmitglied SP Baar
Baar steht vor grossen Veränderungen. Mit dem Lättich, der Entwicklung rund um den Bahnhof und dem Zimmerberg kommen grosse Herausforderungen auf die Gemeinde zu. Die SP Baar erwartet vom Gemeinderat, dass er frühzeitig plant und handelt, statt Probleme später zu verwalten. Beim Schulraum hat sich gezeigt, wohin zu spätes Handeln führt.
Bezahlbarer Wohnraum
Bezahlbarer Wohnraum darf nicht nur im Wahlkampf Thema sein und am Ende als Ziel auf dem Papier stehen. Jetzt braucht es konkrete Projekte und sichtbare Ergebnisse. Die Gemeinde soll preisgünstigen Wohnraum unterstützen und sich, wo sinnvoll, am Erwerb von Grundstücken oder Liegenschaften beteiligen. Auch bei Bebauungsplänen muss bezahlbarer Wohnraum stärker berücksichtigt werden. Den Worten müssen Taten folgen.
Klima-/lebensgerechte Räume
Auch Baar spürt die Folgen der Klimaerwärmung. Öffentliche Plätze sollen gemeinsam mit der Bevölkerung gestaltet werden. Mehr Bäume und Grünflächen, mehr Schatten und weniger versiegelte Flächen, insbesondere im Dorfzentrum, schaffen kühlere und attraktivere Aufenthaltsorte. Auch private Hausbesitzer soll die Gemeinde stärker unterstützen.
Solide Finanzen
Die SP Baar erwartet weiterhin solide Gemeindefinanzen, aber keine weiteren Senkungen des Steuerfusses. Diese treiben Boden- und Wohnpreise in die Höhe und machen Baar für viele Einheimische zunehmend unerschwinglich. Baar darf nicht noch mehr zur Gemeinde werden, aus der sich die eigene Bevölkerung wegsteuern lässt.
FDP
Reto Leutenegger Ortsparteipräsident FDP Baa
Baar gemeinsam weiterentwickeln
Baar steht gut da. Diese Stärke gilt es, auch in der kommenden Legislatur zu bewahren und gezielt weiterzuentwickeln. Die FDP wünscht sich einen Gemeinderat, der klare Prioritäten setzt, vorausschauend handelt und die anstehenden Herausforderungen mit Augenmass angeht.
Eine zentrale Aufgabe bleibt die räumliche Entwicklung unserer Gemeinde. Mit der angenommenen Ortsplanungsrevision wurden wichtige Grundlagen geschaffen. Nun gilt es, diese sinnvoll zu nutzen. Dazu gehören verlässliche Bewilligungsverfahren, Planungssicherheit und eine dienstleistungsorientierte Verwaltung, die Bevölkerung und Unternehmen bei ihren Vorhaben unterstützt.
Besonders wichtig ist uns die weitere Umsetzung der Gewerbestrategie, die auf eine Motion der FDP zurückgeht. Unser lokales Gewerbe braucht geeignete Flächen, gute Rahmenbedingungen und langfristige Entwicklungsmöglichkeiten. Baar soll auch künftig nicht nur ein attraktiver Wohnort, sondern ebenso ein lebendiger Wirtschaftsstandort bleiben.
Bei grösseren Vorhaben wie der Entwicklung des Lättichs und der Bahnmatt wünschen wir uns eine langfristige Gesamtschau, sorgfältige Planung und einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Dabei sollen auch private Initiativen und partnerschaftliche Lösungen ihren Platz haben.
Die FDP setzt auf eine konstruktive Zusammenarbeit, transparente Kommunikation und eine nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam wollen wir die hohe Lebensqualität in Baar für kommende Generationen erhalten.
SVP
Adrian Rogger, Präsident SVP Baar, Kantonsrat
Klare Prioritäten statt langer Wunschlisten
Die Wiederwahl aller sieben bisherigen Gemeinderatsmitglieder ist ein Vertrauensbeweis – aber kein Freipass für ein «Weiter so».
Für die Legislatur 2027–2030 erwartet die SVP Baar klare, verbindliche Ziele mit Fokus auf die gesetzlichen Kernaufgaben.
Sonderaufgaben und Experimente, die Gemeinderessourcen verschwenden, sind unerwünscht.
Auf ideologische Leitbilder, etwa zur Senkung der Zahl der Personenwagen auf 450 pro 1’000 Einwohner, ist zu verzichten.
Stattdessen müssen Infrastrukturprojekte wie das Lättichareal und die Leihgasse vorankommen.
Die SVP Baar fordert zudem mehr Transparenz und messbare Fortschritte statt Selbstvermarktung in den Medien.
Missstände müssen offen kommuniziert und angegangen werden.
Themen wie der Anteil von 56 Prozent Fremdsprachiger an den Baarer Schulen, immer weniger Parkplätze pro Kopf, die Sorge um genügend Plätze in Alters- und Pflegeheimen sowie ein sinkendes Sicherheitsgefühl beschäftigen die Baarer Bevölkerung.
Gerade sie sollte mehr Mitsprache und Entscheidungskompetenz erhalten.
Aus Sicht der SVP Baar verfügt der Gemeinderat über zu weitreichende Befugnisse und beruft sich zu oft auf seine Kompetenzen und die Gemeindeordnung. Gleichzeitig wächst die Verwaltung, während Regulierungen und unnötige Vorschriften Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand verdrängen.
ALG
Tim Schürmann Vorstandsmitglied und Kassier Alternative – die Grünen Baar
Vom Papier auf den Platz
Wir gratulieren den wiedergewählten Mitgliedern des Gemeinderats. Die ALG ist im Gremium weiterhin nicht vertreten. Wir bringen uns deshalb mit Vorstössen und an der Gemeindeversammlung ein: Konstruktiv und mit klaren Erwartungen.
Hitze: Die Strategie liegt vor, jetzt braucht es Taten
Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie stark Hitze Menschen, Natur und Gewerbe belastet. Baar hat seit 2022 eine Hitzeminderungsstrategie. Rund 16 Prozent der Gemeindefläche sind versiegelt. Mit unserer Interpellation vom 10. September wollen wir wissen, was seither umgesetzt wurde. Wir erwarten ein Entsiegelungsprogramm für Schulareale und Plätze mit Budget und Fristen, Anreize für private Eigentümerschaften sowie messbare Ziele. Erste Massnahmen sollen vor dem Sommer 2027 sichtbar sein.
Wohnen: Baar muss bezahlbar bleiben
Für viele Familien sowie junge und ältere Menschen wird Wohnen in Baar kaum mehr bezahlbar. Wir erwarten eine aktive Boden- und Wohnpolitik der Gemeinde für mehr bezahlbaren Wohnraum. Zudem erwarten wir eine Steuerpolitik, die den Wohnungsmarkt nicht mit tiefen Steuern weiter anheizt.
Ein Dorf für alle Generationen
Die junge Generation ist im Gemeinderat nicht vertreten, obwohl viele Entscheide sie besonders betreffen. Der Gemeinderat soll sie aktiv einbeziehen. Zudem braucht Baar sichere Velowege, einen starken öffentlichen Verkehr und ein attraktives Dorfzentrum, in dem man sich gerne aufhält. Dazu werden wir bald eigene Ideen einbringen.
GLP
Slobodan Selkic, GLP Baar
Wahlen sind kein Schlusspunkt
Die Wahlen sind vorbei, die Sitze verteilt. Doch Demokratie ist weit mehr als die Frage, wer am Ende einen Sitz gewinnt.
Mir wurde erneut bewusst, wie wertvoll es ist, dass sich Menschen engagieren, Verantwortung übernehmen und ihre Vorstellungen einbringen für die Zukunft. Unabhängig davon, welcher Partei sie angehören.
Der Einzug in den Gemeinderat ist der GLP zwar nicht gelungen, doch auch eine Kandidatur ohne Wahlerfolg ist ein wichtiger Bestandteil unserer demokratischen Kultur.
Gerade in einer Gemeinde wie Baar, die wächst und sich verändert, braucht es unterschiedliche Perspektiven im Gemeinderat. Wie schaffen wir Wohnraum, ohne unsere Lebensqualität aufs Spiel zu setzen? Wie verbinden wir wirtschaftliche Entwicklung mit Nachhaltigkeit? Und wie sorgen wir dafür, dass Baar trotz Wachstum ein Ort bleibt, an dem sich Menschen begegnen und wohlfühlen?
Diese Fragen verlangen Offenheit, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, über politische Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.
Was ich aus diesen Wahlen mitnehme, ist deshalb vor allem Zuversicht. Menschen engagieren sich, bringen Ideen ein und stellen sich zur Wahl. Das verdient Anerkennung, unabhängig vom persönlichen Ergebnis.
Denn letztlich bemisst sich der Erfolg unserer Demokratie nicht allein an gewonnenen Sitzen, sondern auch daran, was wir zwischen zwei Wahlsonntagen gemeinsam erreichen. Und das hat der Gemeinderat auch in seinen Händen.
Die Wahlen sind vorbei. Die Arbeit an unserer gemeinsamen Zukunft geht weiter.
Die Mitte
Thomas Gwerder Kantonsrat Die Mitte Baar
Der Gemeinderat muss auch in der neuen Legislatur seine vernünftige Ausgabenpolitik weiterführen. Ein attraktiver Steuerfuss soll beibehalten und gute Rahmenbedingungen für die lokale Wirtschaft sowie das Gewerbe geschaffen werden.
Das Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum hat in den vergangenen Jahren zu einer starken Nachfrage nach Wohnraum geführt. Diese Entwicklung führt dazu, dass die einheimische Bevölkerung Schwierigkeiten hat, Wohnraum innerhalb der Gemeinde zu finden. Der Regierungsrat des Kantons Zug hat als Reaktion auf diese Herausforderungen die umfassende «Wohnpolitische Strategie 2030» entwickelt, die auch die Gemeinde Baar betrifft. Da dies allein jedoch nicht ausreicht, muss der Gemeinderat aus unserer Sicht zwingend beauftragt werden, eine eigenständige kommunale Wohnraumstrategie für Baar zu erarbeiten.
Zudem gilt es in den kommenden Jahren, drei städtebauliche Grossprojekte intensiv zu koordinieren und vorausschauend zu planen, welche das Gesicht unserer Gemeinde nachhaltig verändern werden. Im Zentrum steht das Areal Bahnmatt, das durch einen modernen Ersatzneubau dringend benötigte Pflegeplätze und bezahlbaren Wohnraum im Alter sichert. Eng damit verzahnt ist der massive Bahnausbau der SBB. Mit dem Bau des Zimmerberg-Basistunnels II und neuen Gleisanlagen wird der Bahnhof Baar zur regionalen Mobilitätsdrehscheibe aufgewertet. Als drittes Grossprojekt nimmt die «Gesamtschau Lättich» Fahrt auf, um das Sport- und Freizeitareal umfassend zu modernisieren.







