Liberal sein heisst, Freiheit zu ermöglichen

  23.09.2026 Leserbriefe

Die Aussagen des Zuger FDP-Präsidenten Daniel Gruber zum Thema Inklusion haben mich betroffen gemacht. Als sein Vorgänger im Präsidium der FDP Kanton Zug distanziere ich mich klar davon. Sie entsprechen weder meinem Verständnis des Liberalismus noch der FDP, die ich während meiner Amtszeit vertreten und geführt habe.

Liberalismus bedeutet, jedem Menschen möglichst viel Freiheit und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Menschen mit Beeinträchtigungen können diese Freiheit jedoch nur wahrnehmen, wenn unnötige Hindernisse beseitigt werden. Barrierefreiheit ist deshalb kein Luxus und keine Frage des Mitleids, sondern eine Voraussetzung für echte Chancengleichheit.

Bei öffentlichen Bauten und Infrastrukturen müssen die Bedürfnisse der Betroffenen von Beginn an einbezogen werden. Sie wissen am besten, wo Hindernisse bestehen. Eine vorausschauende Planung ist zudem meist günstiger, als Fehler nachträglich zu korrigieren. Wo Zugänge nicht barrierefrei umgesetzt wurden, müssen vernünftige Lösungen gefunden werden.

Rund 1,73 Millionen Menschen beziehungsweise etwa 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben mit einer Behinderung. Das ist ungefähr jede fünfte Person. Sie alle haben das gleiche Recht, öffentliche Gebäude, Verkehrsmittel und weitere Infrastrukturen möglichst selbständig zu nutzen. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft älter wird und Barrierefreiheit deshalb für immer mehr Menschen relevant ist. Davon profitieren übrigens auch Familien mit Kinderwagen oder Menschen, die vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Menschen mit Beeinträchtigungen meistern ihren Alltag oft mit ausserordentlicher Kraft und Ausdauer. Das verdient nicht Bedauern, sondern meinen höchsten Respekt. Mehr noch: Wir Menschen ohne Beeinträchtigung können von ihnen viel lernen.

Dass der Kanton Zug unter dem zuständigen FDP-Regierungsrat Andreas Hostettler bereits zweimal die Inklusive Landsgemeinde durchgeführt hat, zeigt, wofür liberale Politik stehen kann: Betroffenen zuhören, sie einbeziehen und gemeinsam konkrete Verbesserungen erarbeiten.

Daniel Gruber hat erklärt, seine Aussagen seien seine persönliche Meinung. Das nehme ich zur Kenntnis. Gerade deshalb ist mir die Klarstellung wichtig: Diese Haltung kann nicht stellvertretend für die FDP des Kantons Zug stehen. Die liberale Antwort auf Beeinträchtigungen lautet nicht, Hindernisse hinzunehmen, sondern Menschen die grösstmögliche Freiheit und Teilhabe zu ermöglichen.

Cédric A. Schmid, Zug


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