Lustenbergers zweiter Anlauf in den Regierungsrat

  09.09.2026 Politik

Nach seiner knappen Niederlage bei der Ersatzwahl im vergangenen Sommer steigt der Baarer Andreas Lustenberger erneut in den Ring: Bei den Wahlen vom 4. Oktober kandidiert er für einen Sitz im Regierungsrat.

INGRID HIERONYMI

Andreas Lustenberger wohnt mit seiner Partnerin im Dorfzentrum von Baar und sitzt seit 2013 für die ALG im Zuger Kantonsrat. Beruflich ist er Mitglied der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz. Im Interview mit der Baarer Zytig spricht der 40-Jährige über seine Beweggründe, die Krise auf dem Zuger Wohnungsmarkt und weshalb die Linke nach acht Jahren wieder in die Regierung gehört.

Sie kandidieren nach der Ersatzwahl 2025 erneut für den Regierungsrat. Was hat Sie dazu bewogen, nochmals anzutreten?
Mein sehr gutes Abschneiden bei den Ersatzwahlen 2025 und die enorme Unterstützung aus der Bevölkerung haben mich dazu bewogen, bei den Gesamterneuerungswahlen anzutreten. Es wäre mir eine Ehre, wenn ich mich zukünftig als Regierungsrat für das Wohl aller Zugerinnen und Zuger einsetzen dürfte.

Ihr Wahlkampf im letzten Sommer wurde parteiübergreifend gelobt, Sie erzielten über 40 Prozent Wähleranteil. Was haben Sie fachlich, strategisch und persönlich aus diesem Wahlkampf mitgenommen?
Eine Wahlkampagne ist immer eine Teamarbeit, und hier darf ich auf ein grossartiges Team von meiner Partei vertrauen. Zudem zählt mein Unterstützungskomitee schon wieder über 700 Personen. Das gute Resultat 2025 hat mir gezeigt, dass meine Art der Politik und wie ich auf die Menschen in unserem Kanton zugehe, sehr geschätzt wird, und das motiviert mich zusätzlich.

Bei der Ersatzwahl 2025 traten Sie gegen einen einzigen Herausforderer an und erzielten ein starkes Resultat. Jetzt aber stellen sich alle sieben bisherigen Regierungsmitglieder wieder zur Wahl, mit vier Jahren Amtsbonus, Netzwerken und Dossiersicherheit. Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie diesmal einen amtierenden Regierungsrat aus dem Amt verdrängen können?
Wer Lustenberger wählt, weiss was drinsteckt. Als langjähriger Kantonsrat, Präsident der kantonalen Kommission für Gesundheit und Soziales sowie als Leiter der gesamten Inlandhilfe von Caritas Schweiz, bringe ich viel Erfahrungen und Themen mit, welche heute zu wenig in der Zuger Regierung vertreten sind. Gemischte Teams bringen die besten Lösungen.

Gegenüber der Zuger Zeitung haben Sie einmal gesagt, die Krise auf dem Zuger Wohnungsmarkt werde «nicht genügend angegangen». Welche konkreten Massnahmen würden Sie als Regierungsrat prioritär anstossen?
Der Kanton braucht einen konkreten Plan, um gemeinsam mit den Gemeinden und den gemeinnützigen Wohnbauträgern mehr bezahlbaren Wohnraum zu bauen. Dazu gehört etwa, dass mit einem Vorkaufsrecht mehr Land an Genossenschaften abgetreten wird und dass der Kanton einen Fonds für den Bau von bezahlbaren Wohnungen schafft. Leerkündigungen rein zu Renditezwecken würde ich einer stärkeren Kontrolle unterziehen. Der Kanton Zug hat glücklicherweise die finanziellen Mittel, um bezahlbaren Wohnraum zu fördern, jetzt braucht es aber auch politische Taten.

Seit acht Jahren ist die Linke nicht mehr in der Regierung vertreten. Welche politische Wirkung hätte aus Ihrer Sicht eine Rückkehr, und weshalb braucht es dieses «Korrektiv»?
Ich würde nicht von einem Korrektiv sprechen, sondern davon, dass heute ein Viertel der Wählerinnen und Wähler nicht in der Regierung vertreten sind und damit die Konkordanz arg strapaziert wird. Damit es die besten Lösungen für die gesamte Bevölkerung gibt, müssen in einer Regierung auch alle Sichtweisen vertreten sein. Heute fehlt beispielsweise die Stimme der Mieterinnen und Mieter in der Zuger Regierung, und es gibt auch keine Vertretung mit sozialen und ökologischen Schwerpunkten. Mit meinem Rucksack würde ich einen Mehrwert in das bestehende Gremium einbringen können.

Sie gelten als engagiert, direkt und ausdauernd. Wie würden Sie Ihren politischen Stil selbst beschreiben und wie zeigt er sich im Alltag, abseits des Wahlkampfs?
Ich bin Fan von unserer direkten Demokratie und schätze den politischen Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Parteien. Es ist ein Privileg, als gewählter Politiker eine Stimme der Bevölkerung zu sein. Diese Demut ist für mich wichtig in meinem politischen Wirken. Politik ist kein Selbstzweck, und deshalb versuche ich immer, über die Parteigrenzen hinweg die besten Lösungen zu entwickeln und Kompromisse zu schliessen.

Welcher Wert oder welche Überzeugung prägt Ihre politische Arbeit am stärksten?
Ich bin überzeugt von der Präambel unserer Bundesverfassung, dass sich die Stärke des Volkes am Wohl der Schwächsten misst. Mir sind Freiheit, Chancengerechtigkeit und Eigenverantwortung sehr wichtig. Dazu braucht es einen funktionierenden Rechtsstaat und, wo nötig, auch Unterstützung für Menschen, die sich gerade in einer schwierigen Lebensphase befinden. Als Pfadfinder und Naturwissenschaftler bin ich mir zudem bewusst, dass wir nur eine Erde haben und wir deshalb Sorge tragen müssen zu ihr.

Was war die mutigste Entscheidung, die Sie in den letzten drei Jahren getroffen haben, sei es beruflich, politisch oder privat?
Die Übernahme der Inlandhilfe von Caritas Schweiz. Damit trage ich die Verantwortung für über 500 Mitarbeitende; zudem sind zehntausende armutsbetroffene Menschen in der ganzen Schweiz auf unsere Angebote angewiesen.

Wenn Sie einen Wunsch bei einem Flaschengeist frei hätten: Welche konkrete Veränderung würden Sie im Kanton Zug sofort umsetzen?
Mehr bezahlbaren Wohnraum für die Menschen aus Zug schaffen.

Was können Baarerinnen und Baarer bei einer erfolgreichen Wahl von «ihrem» Regierungsrat erwarten?
Dass ich auch zukünftig ein offenes Ohr für die Anliegen aller Baarerinnen und Baarern haben werde und man mich weiterhin auf dem Samstagsmarkt antreffen wird.


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