Martin Andermatt muss sich immer wieder neu erfinden
21.10.2026 SportDer Fussball bestimmt seit mehreren Jahrzehnten das Leben des Baarers Martin Andermatt. Aktuell ist er als Technischer Direktor beim Challenge-League-Club Yverdon-Sport FC tätig. Erst im März 2026 hatte er dort vom Amt des Technischen Direktors auf den Trainerposten gewechselt. Im September kehrte er in seine ursprüngliche Funktion zurück.
MARCO MOROSOLI
Der 64-Jährige ist vielseitig unterwegs. Im Laufe seiner rund 20-jährigen Karriere als Verteidiger bei verschiedenen Schweizer Clubs – darunter der SC Zug, der FC Wettingen, der FC Basel, der Grasshopper Club Zürich und der FC Emmenbrücke – feierte Andermatt zahlreiche Erfolge. 1990 holte er mit dem Grasshopper Club Zürich den Schweizer Meistertitel. Hinzu kamen drei Cupsiege in Serie (1988, 1989 und 1990) sowie elf Einsätze für die Schweizer Nationalmannschaft in den 1980er Jahren.
Andermatt wechselte in zwei Schritten an die Seitenlinie. Beim FC Emmenbrücke war er zunächst Spielertrainer; beim FC Winterthur konzentrierte er sich anschliessend ganz auf seine Aufgabe als Trainer. Seither ist er in der Fussballwelt viel herumgekommen und hat viel bewegt. Seine Ausbildung zum Primarlehrer ist dem Fussballexperten beim Aufbau von Teams immer wieder zugutegekommen. Dass der Baarer zudem ein Talent für Sprachen hat, öffnete ihm viele Türen.
Sein Leitsatz für die tägliche Arbeit ist eingängig. Auf seiner Website schreibt er: «Ich will Menschen bewegen, Menschen verbinden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.» Zudem verfügt er über die UEFA-Pro-Lizenz. Das ist die höchste Trainerqualifikation, die im europäischen Fussball erreichbar ist. Mit dieser Lizenz kann der Baarer Fussballkenner Profimannschaften auf höchster Ebene trainieren.
Andermatts Meisterstück mit dem SSV Ulm
Der wohl grösste Erfolg in seiner fast 30-jährigen Karriere an der Seitenlinie war der Aufstieg des SSV Ulm in die 1. Bundesliga am Ende der Saison 1998/99. Das Team aus Baden-Württemberg schaffte damals innerhalb von zwei Spielzeiten den Durchmarsch von der Regionalliga in die höchste deutsche Liga. Andermatt hatte die Mannschaft im März 1999 übernommen und führte sie auf den dritten Platz der 2. Bundesliga.
Später übernahm er mit Eintracht Frankfurt einen weiteren deutschen Traditionsklub, der damals in der 2. Bundesliga spielte. Es folgten weitere Stationen in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz. Als polyvalenter Fussballlehrer kann der kommunikative Baarer sowohl mit Profiteams als auch mit Nachwuchsmannschaften arbeiten.
Bei Yverdon-Sport FC hat Andermatt in diesem Jahr erneut seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Im März 2026 übernahm er bei den Waadtländern das Amt des Cheftrainers, nachdem er zuvor als Technischer Direktor tätig gewesen war. Doch sein Engagement an der Seitenlinie dauerte nur rund ein halbes Jahr. Am 22. September gab der Verein bekannt, dass Andermatt wieder die Funktion des Technischen Direktors übernimmt. Ende September wurde Guillermo Abascal als neuer Cheftrainer vorgestellt. Andermatt bleibt dem Challenge-League-Club damit erhalten, allerdings wieder in seiner alten Funktion.
Die Arbeit bei Yverdon kennt Andermatt aus unterschiedlichen Perspektiven. Als Technischer Direktor war er bereits an der Zusammenstellung des Kaders beteiligt, bevor er im Frühjahr selbst die Verantwortung für die Mannschaft an der Seitenlinie übernahm.
Wie anspruchsvoll die Führung einer Profimannschaft ist, verdeutlichte Andermatt während seiner Zeit als Cheftrainer mit einer einfachen Rechnung: «Ich habe 30 Spieler im Kader. 19 davon sind mit ihrer Situation unzufrieden.» Bei dieser Ausgangslage sei es eine grosse Kunst, alle zu führen: «Fussball verbindet. Ich rede immer über Lösungen, und nicht über Probleme.»
Andermatt ist viel in der Welt herumgekommen
Für sich selbst legt Andermatt allerdings strenge Massstäbe an: «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.» Seine tägliche Arbeit verdeutlicht zugleich seinen teamorientierten Ansatz: «Wir, nicht ich, wollen besser werden.»
Bei all seinen fussballerischen Missionen, die ihn als Ausbildner sogar in verschiedene afrikanische Länder geführt hat, ist Martin Andermatt geerdet geblieben. Er sei glücklich, dass seine Familie ihn bei all seinen bisherigen Missionen unterstützt habe und weiterhin unterstütze. Auch bei Trainerengagements, die mitunter nur von kurzer Dauer sind, gibt der Baarer Fussballkenner jeden Tag Vollgas.
Beständigkeit prägt dagegen sein Familienleben: «Ich bin seit 41 Jahren verheiratet.» Das Ehepaar hat drei Kinder und mittlerweile auch Enkel. Was als gesichert gelten darf: Martin Andermatt will auch nach dem baldigen Erreichen des AHV-Alters sein Wissen und Können weiterhin einbringen. Dabei legt er die Messlatte hoch: «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.»

