Orientierungshilfen für Geländemodellierung
14.01.2026 WirtschaftIm Gebiet Früeberg/Deubühl bis Deinikon/ Bofeld zieren schwarzweisse Markierungen die Strassen. Sie stehen in Zusammenhang mit dem Zimmerberg-Basistunnel 2 und werden noch eine Weile bestehen bleiben.
ANNETTE KNÜSEL
Über die Digitalisierung wird allenorten viel geredet und geschrieben. Oft bleibt der Diskurs theoretisch. Bei den Markierungen auf den Baarer Strassen wird sie ganz konkret: Die Markierungen dienen – ganz «analog» – der Erstellung einer virtuellen Welt.
Der Zimmerberg-Basistunnels 2 soll grösstenteils von der Baarer Seite her gebaut werden. Für den Bau müssen grosse Mengen Erde und Geröll aus dem Berg geholt werden. Dieser Aushub soll dann im Gebiet Litti neu verteilt werden. Die Aufschüttung vor Ort wird auch «Geländemodellierung» genannt, weil sich das Gelände dadurch stark verändern wird.
Orientierungspunkte für die Piloten
Die schwarz-weissen Markierungen haben die SBB angebracht, um die Ausgangssituation für die Geländemodellierung zu erfassen. Im vergangenen August wurden mithilfe von Lasergeräten so genannte «LiDAR»-Aufnahmen vom Litti gemacht. Die Markierungen dienten den Piloten beim Fliegen als Orientierung. «Dieselben Markierungen können auch als Referenzpunkte für die Vermessung mit Drohnen dienen», hält Reto Schärli von der SBB-Medienstelle fest. Und er führt aus: «Wenn beispielsweise der Umbau eines Bahnhofs mit BIM (Building Information Modeling) geplant wird, wird der Projektperimeter zuvor mit Drohnen vermessen. Sie können also auch andernorts auf diese Markierungen stossen. Für allfällige Nachmessungen bleiben die Markierungen jeweils bestehen.»
LiDAR: Datenerfassung für 3D-Modelle unserer Welt
Eine Vorstellung davon, wie LiDAR-Aufnahmen funktionieren, gibt die Website des Bundesamts für Landestopografie swisstopo. Dort wird definiert: «LiDAR ist eine Technologie, mit der man die Erde aus der Luft präzise vermessen kann.» Ein Laserscanner sendet Laserpulse aus und ein Sensor misst, wie schnell diese durch die Umgebung reflektiert werden.
Das Verfahren erinnert an Fledermäuse, die aktiv Ultraschallwellen aussenden, deren Echo aufnehmen und dadurch wissen, wo sie frei fliegen können und wo etwa ein Gebäude steht. Nur dass beim LiDAR-Verfahren Daten erhoben und gespeichert werden, mit denen man im Nachhinein ein exaktes, virtuelles 3D-Modell des vermessenen Geländes erstellen kann. Swisstopo ist dabei, die gesamte Schweiz und Liechtenstein auf diese Art zu erfassen.
Analog, digital, virtuell – und zurück
Und da ist er, der Übergang von der analogen in die virtuelle Welt: Vom analogen Baar wird mithilfe der digitalen LiDAR-Daten ein virtuelles Modell erstellt. Es kann am Computer modelliert, also verändert werden. Anschliessend wird das analoge Gelände nach dem Vorbild des digitalen Modells durch Aufschüttungen neu gestaltet. Und die Landschaft rund um das Tunnelportal sieht ganz real anders aus als vorher. Auf gewisse Weise sind die schwarz-weissen Strassenmarkierungen die Eintrittspforte in diese neue Welt.
Einen Zusammenhang zwischen den Arbeiten von swisstopo und denen der SBB verneint die SBB-Medienstelle. Beide nutzen nur dieselbe Technologie. Die Markierungen werden von den SBB verwendet, um ein reines Geländemodell zu erstellen (Digitales Terrainmodell, DTM), ohne Bewuchs und Bebauung.



