Ortsbus wird wieder Thema und soll getestet werden
03.06.2026 PolitikAn der Gemeindeversammlung vom 10. Juni 2026 entscheiden die im Baarer Gemeindesaal präsenten Stimmberechtigten über einen Kredit von 833’000 Franken für eine neue Ortsbuslinie. Die Idee stammt von einem Stimmbürger. Er lancierte sie Ende April 2024.
MARCO MOROSOLI
Um einen ersten Eindruck von einer fremden, Stadt zu gewinnen, eignet sich eine Busfahrt. Diese Linie sollte in Nord-Süd- oder Ost-West-Richtung durch die Stadt verlaufen. Solche Durchmesserlinien bedienen mit Sicherheit die wichtigsten Punkte in der Innenstadt und erleichtern dem Fremden die Orientierung.
Solche Durchmesserlinien kennt Baar bereits. Sie bedienen das Dorf mit mehr als 25’000 Einwohnern, wie zum Beispiel die Buslinie 603, die Baar Lättich mit Zug Schönenberg verbindet. Der Baarer Gemeinderat hält in einer Vorlage zur Gemeindeversammlung im Dezember 2024 fest, dass die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde in einer Zeitspanne von drei bis zehn Minuten eine Bushaltestelle erreichen könnten.
Der Bürger Alfred Heer hatte im Vorfeld der Gemeindeversammlung eine Motion eingereicht, die zwei neue Ortsbuslinien forderte, welche bisher kaum erschlossene Baarer Gebiete mit dem bestehenden Netz verbinden sollen. Er erwähnte in seinem Vorstoss unter anderem den Aberenrain und die Gebiete Schutzengel und Mühlegasse und begründete ihn so: «Eine Gemeinde wie Baar, der es finanziell hervorragend geht, sollte für eine angemessene Erschliessung von bisher vom öffentlichen Verkehr nicht erreichten Wohngebieten Hand bieten.»
Der Gemeinderat empfahl der Versammlung im Dezember 2024 trotzdem, das Begehren von Heer zu schubladisieren. Die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) legte sich quer und verlangte, den Vorstoss teilerheblich zu erklären.
Schon intensiv über Details gesprochen
Diese Teilrettung des Ortsbusses geschah nach einer längeren, sehr engagierten Debatte. Neben dem fürs Geschäft zuständigen Gemeinderat Hans Küng brachten sich alle Parteivertreter ein. Auffällig war, dass die Redenden bereits ausufernd über Details debattierten. Einen roten Faden bildete die anstehende, aber noch nicht fix terminierte Neugestaltung des Baarer Bahnhofs. Noch in diesem Monat soll Konkreteres zu diesem Projekt vorliegen.
Ivan Abramović (Die Mitte) fügte dann bei der Debatte im Dezember 2024 noch an, dass bei dieser Ortsbusangelegenheit «belastbare Daten oder Umfragen» fehlen würden, welche zeigen könnten, dass Anwohnende in den Gebieten, die dereinst durch den Ortsbus erschlossen würden, Schwierigkeiten haben, die bestehenden Angebote zu nutzen.
Die angedachte Ortsbuslinie – der Motionär Andreas Heer wollte eigentlich derer zwei – führt aus dem Gebiet Aberenrain über das Baarer Zentrum ins Gebiet Deinikon. Beim dortigen Bauunternehmen Landis & Co ist eine Wendeschleife angedacht. Im Gebiet Aberenrain ist die Herrichtung einer solchen herausfordernd. Der Gemeinderat hat in diesem Gebiet 42 Grundeigentümerschaften angeschrieben. Die positiven Signale sind derzeit in der Mehrheit. Bei zu viel Widerstand würde der Gemeinderat die Haltestelle Freudenbergstrasse zum Endpunkt machen.
Das Ergebnis der Vorarbeiten zum Ortsbus präsentiert der Baarer Gemeinderat an der Versammlung vom 10. Juni. Die nun als Testlauf vorgesehene erste Baarer Ortsbuslinie – bei welcher die Gemeinde der Besteller wäre – beginnt im Gebiet Deinikon und führt über die Baarer Dorfmitte zum Aberenrain. Der Elektrokleinbus bedient auf seinem Weg elf Haltestellen. Acht davon sind bis jetzt nicht als solche hergerichtet. Das soll vorderhand so bleiben.
Zwei Jahre für den Testlauf
Die neue Busstrecke soll als Testlauf zwei Jahre lang im Angebot bleiben. Dafür beantragt der Gemeinderat einen Kredit von 833’000 Franken. Sitzen im Ortsbus im Verlaufe des ersten Jahres nur drei Personen, zieht der Gemeinderat bereits nach einem Jahr die Reissleine. Die Rechnung- sund Geschäftsprüfungskommission wie auch die Verkehrs- und Tiefbaukommission äussern sich im Vorfeld positiv zum ersten Baarer Ortsbus. Unklar ist, wann der Versuch starten soll. Der Fahrplan ist jedoch schon fix: Um 6.30 Uhr fährt der erste Bus, der letzte macht sich um 19 Uhr auf den Weg. Es kommen elektrisch betriebene Kleinbusse zum Einsatz.
Noch ein Wort zur Umgestaltung des Baarer Bahnhofs: Der Zimmerberg-II-Tunnel von Baar-Litti nach Thalwil ist in der Bahnplanung des Bundes immer noch gesetzt. Beim Realisierungshorizont bleibt weiterhin vieles im Vagen. Der Ausbau der SBB-Strecke von Baar Litti nach Zug und weiter in den Ennetsee auf drei Geleisen könnte sich – wegen Finanzen des Bundes – weiter verzögern. In dieser Sache ist von einem Preisschild in der Höhe von 450 Millionen Franken die Rede. Welche Auswirkungen dieser Hängezustand auf die Gleisgeometrie der Zimmerberg-II-Zulaufstrecke – mitsamt dem Baarer Bahnhofprojekt hat, bleibt unklar.


