Parteiforum Baar
28.01.2026 PolitikDas heutige Parteiforum dreht sich um die Frage: Mit welchen Ansätzen oder Strategien will Ihre Partei sicherstellen, dass Baar ein attraktiver Standort für Global Player bleibt, ohne dabei seine gewerbliche Vielfalt und den dörflichen Charakter zu verlieren? Die Frage kommt von der GLP.
Baar bewegt sich in einem anspruchsvollen Spannungsfeld. Einerseits profitiert die Gemeinde von Sitzgesellschaften, die die Infrastruktur kaum belasten. Andererseits sorgen wachsende Grosskonzerne für einen verschärften Standortwettbewerb. Das traditionelle einheimische Gewerbe wie Bäckerei, Handwerk oder der lokale Detailhandel ist damit unter Druck, insbesondere bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum für Mitarbeitende und im Wettbewerb um Fachkräfte.
Das Parteiforum
Diese Rubrik soll den Ortsparteien die Möglichkeit geben, zu einem aktuellen Thema Stellung zu beziehen. Vorgegeben werden die Themen reihum von den Parteien selbst.
Es erscheint sechsmal im Jahr in der Baarer Zytig. Für das vorgegebene Thema, wie auch für die Antworten, sind die Parteien, und nicht die Baarer-Zytig-Redaktion verantwortlich.
FDP
Urs Andermatt, Vorstand FDP Baar Kantonsrat FDP Ein starkes Gewerbe ist das Herz von Baar
Baar ist ein wirtschaftliches Kraftzentrum. Wir profitieren von globalen Unternehmen, die unseren Wohlstand und die tiefen Steuern sichern. Doch dieser Erfolg darf nicht auf Kosten unseres Fundaments gehen, dem lokalen Gewerbe. Ob Handwerk, Bäckereien oder Dienstleister, sie sind das Herz unserer Gemeinde. Wenn Gewerbeflächen zunehmend verdrängt werden, verliert Baar weit mehr als nur Betriebe. Wir verlieren lokale Arbeitsplätze, wertvolle Ausbildungsplätze für unsere Jugend und schlussendlich unseren dörflichen Charakter. Als FDP Baar sind wir überzeugt, dass ein attraktiver Standort beides braucht, die Dynamik internationaler Firmen und ein starkes einheimisches Gewerbe.
Genau hier setzt unsere Motion für eine langfristige Gewerbestrategie an. Wir fordern vom Gemeinderat, dass das Gewerbe endlich Priorität in der Planung erhält. Unsere Forderungen sind klar. In der aktuell anstehenden Zonenplanrevision müssen gezielte Areale für das produzierende Gewerbe gesichert werden. Die heutige Praxis der Mischzonen führt oft zu Konflikten und Lärmklagen, die niemanden glücklich machen. Wir verlangen eine kluge Entflechtung und Aufzonungen, damit unsere Gewerbler ohne unnötige Hürden arbeiten können. Zudem muss die Gewerbeförderung als strategisches Ziel fest in der Mehrjahresplanung verankert werden. Ansonsten bleiben Absichtserklärungen nur schöne Worte. Wir kämpfen für ein Baar, in dem Unternehmertum Platz zur Entfaltung hat und die Fachkräfte von morgen ihre Lehre im Dorf absolvieren können. Für ein lebendiges und freisinniges Baar.
SP
Ronahi Yener, Vorstandsmitglied SP Baar und Kantonsrätin
Baar bewegt sich zweifellos in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Erfolg und wachsendem Druck auf Wohnraum und Lebensqualität. Die SP Baar anerkennt, dass international tätige Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und zur finanziellen Stärke der Gemeinde beitragen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass Baar nur dann langfristig attraktiv bleibt, wenn das Wachstum nicht auf Kosten der Bevölkerung geht.
Der verschärfte Standort- und Steuerwettbewerb hat reale Folgen: steigende Bodenpreise, hohe Mieten und eine zunehmende Verdrängung. Besonders spürbar ist dies für das lokale Gewerbe. Immer mehr Betriebe haben Mühe bei der Suche nach Mitarbeitenden, weil diese gezwungen sind, aus Baar wegzuziehen. Zwar profitiert das Gewerbe teilweise von der Präsenz globaler Unternehmen, doch der Wettbewerb um Wohnraum und Fachkräfte trifft es zunehmend hart.
Unsere Strategie ist deshalb klar: Baar soll attraktiv bleiben, aber nicht um jeden Preis. Weitere Steuersenkungen oder Sonderbehandlungen für Grosskonzerne lehnen wir ab. Stattdessen setzen wir auf eine aktive Boden- und Wohnungspolitik, mehr gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnungsbau sowie verbindliche soziale Vorgaben bei Arealentwicklungen. Baar soll ein Ort bleiben, an dem Menschen mit unterschiedlichen Einkommen leben und arbeiten können.
SVP
Thomas Aeschi, Nationalrat und SVP Fraktionspräsident, Baar Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!»
Der Bundesrat versprach im Abstimmungsbüchlein zum EU-Personenfreizügigkeitsabkommen, dass «keine massive Einwanderung zu befürchten» sei. Die «Obergrenze des Einwanderungspotenzials» läge bei «jährlich 10’000 EU-Angehörigen». Die Realität sieht anders aus. Seit Einführung der EU-Personenfreizügigkeit sind netto mehr als 1,5 Millionen Personen in die Schweiz eingewandert (ohne Asyl und Status S). Jedes Jahr wandern netto weitere 80’000 Personen ein.
Zuwanderung schwächt Mittelstand
Der Mittelstand kommt durch diese masslose Zuwanderung immer mehr unter Druck. So stagniert der Wohlstand pro Kopf. «Überfüllungseffekte» sind allgegenwärtig: Steigende Mieten und Wohnungsknappheit, Lohndruck und sinkende Kaufkraft, Stau und überfüllte Züge, Zubetonierung unserer Landschaft, Verlust von Identität und Heimat, mehr Gewalt und importierte Kriminalität, sinkende Bildungsqualität und Zuwanderung in den Sozialstaat.
Breite Bevölkerungskreise anerkennen, dass jetzt gehandelt werden muss. Selbst economiesuisse-Präsident Christoph Mäder fordert: «Die Schweiz muss die Zuwanderung selber steuern können.» Stimmen deshalb auch Sie am 14. Juni 2026 Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» So darf die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz zehn Millionen nicht vor dem Jahr 2050 überschreiten. In den knapp 24 Jahren bis zum Jahr 2050 dürfen im Schnitt maximal noch 37’500 Personen jährlich in die Schweiz einwandern, was in etwa der Hälfte der heutigen Zuwanderung entspricht.
ALG
Andreas Lustenberger, Kantonsrat ALG Baar Fehlender bezahlbarer Wohnraum: eine Hypothek für Gewerbeangestellte
Ein Dorf wie Baar braucht Platz für Menschen mit unterschiedlichen Berufen. Ohne den Verkäufer in der Migros keine vollen Regale, ohne den Sanitär keine geflickten Badezimmer und ohne die Pflegerin niemanden, der uns bei Unfall und im Alter betreut. Baar und die anderen Gemeinden im Kanton Zug haben die Wohnungskrise verschlafen und durch den Steuersenkungswettbewerb noch mehr Menschen mit hohen Einkommen und Vermögen in unseren Kanton gelockt. Heute finden nicht nur Gewerbeangestellte mit einem normalem Einkommen, sondern auch viele junge Baarerinnen und Baarer, Familien und ältere Mitmenschen keine Bleibe mehr bei uns. Sie sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
Massnahmen sind umzusetzen
Die gute Nachricht: Wir können handeln! Gefragt ist eine Politik, die nicht den Besitzstand einiger weniger sichert, sondern sich für die gesamte Bevölkerung einsetzt. Hören wir auf, die Steuern noch weiter zu senken, und fördern wir konsequent den Bau von bezahlbaren Wohnungen. Beispielsweise mittels eines Vorkaufsrechts für die Gemeinden. Dadurch können Wohnbaugenossenschaften wirklich preisgünstige Wohnungen bauen. Bürokratische Hürden, starre Gebäudestandards und weitere Vorschriften, welche das Bauen verteuern, sind kritisch zu hinterfragen und wo möglich abzubauen. Dem produzierenden Gewerbe fehlt es neben den Wohnungen für seine Mitarbeitenden auch zusehends an bezahlbaren Liegenschaften. Die ALG unterstützt deshalb die in der Ortsplanung geplanten Sonderzonen für das Kleingewerbe.
Die Mitte
Enrico Steiner Vorstandsmitglied Die Mitte Baar und von Die Junge Mitte Kanton Zug Baar gezielt weiterentwickeln, wirtschaftlich stark und lokal verankert
Die Gemeinde Baar ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort im Kanton Zug. Internationale Unternehmen tragen wesentlich zur finanziellen Stabilität und zur Attraktivität des Standorts bei. Gleichzeitig bringt dieses Wachstum Herausforderungen mit sich. Dies insbesondere für das einheimische Gewerbe, den Wohnungsmarkt und die räumliche Entwicklung. Für Die Mitte Baar steht fest, dass eine nachhaltige Standortpolitik Augenmass und langfristige Planung braucht.
Die Mitte Baar unterstützt die geordnete Entwicklung von Arbeits-, Wohn- und Gewerbezonen. Dabei ist es zentral, dass Flächen für lokales Gewerbe gesichert bleiben und sich traditionelle Betriebe auch künftig in Baar halten können. Eine ausgewogene Nutzungsdurchmischung trägt dazu bei, die wirtschaftliche Vielfalt zu erhalten und den dörflichen Charakter zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wohnungsmarkt. Die Mitte Baar befürwortet eine massvolle Verdichtung innerhalb der bestehenden Bauzonen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und die Zersiedelung zu vermeiden. Bezahlbarer Wohnraum – insbesondere für die bereits in Baar ansässige Bevölkerung – ist entscheidend, damit Mitarbeitende sowohl aus lokalen Betrieben wie auch aus internationalen Unternehmen in der Gemeinde leben können.
Die Mitte Baar setzt sich für eine Standortentwicklung ein, die wirtschaftliche Stärke mit sozialer Verantwortung verbindet und den dörflichen Charakter von Baar bewahrt.
GLP
Fabian Speiser, GLP Baar Baar: Champions League bei den Steuern, Grümpiturnier bei
Wohn- und Gewerbeflächen?
Wir dürfen den Erfolg unserer Standortpolitik nicht teuer bezahlen. Internationale Konzerne füllen unsere Gemeindekasse. Doch der Blick in die Realität zeigt: Von tiefen Steuern allein kann sich die Verkäuferin beim Beck keine Wohnung mieten. Der Schreiner findet keinen Platz für seine Werkstatt, da Büros oft lukrativer sind als das produzierende Gewerbe oder der Detailhandel.
Wohlstand als Gemeinde ist ein Privileg. Um soziale Tiefe zu wahren, müssen wir dem Marktdruck begegnen. Nicht, indem wir Wachstum verhindern, sondern indem wir Bedingungen schaffen, dass die Büezerin, der Stift und der Pfleger Nachbarn des Expats bleiben. Lebendige Durchmischung ist keine Sozialromantik, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, damit Betriebe funktionieren.
Pauschale Kritik an Konzernen oder Regulierungen helfen nicht. Es braucht Anreize. Die aktive Bodenpolitik muss forciert werden: Gemeindeeigenes Land darf nicht verkauft werden, sondern soll im Baurecht an jene gehen, die günstige Mieten und Gewerbeeinheiten garantieren. Weiteres Land soll von der Gemeinde erworben werden.
Auch in der Zonenplanung hat die Gemeinde das Heft in der Hand. Wir brauchen den Mut zu Dichte- und Nutzungsboni: Wer auch Raum für klassisches Gewerbe, Familien oder Lehrlinge schafft oder brache Flächen nutzt, soll als Belohnung noch schneller, dichter oder höher bauen dürfen. Ein lebendiges Baar braucht kluge Rahmenbedingungen.

