Replik zum Kommentar zur Fasnacht: «Frauen als blosse Dekoration» Bericht von Jana Avanzini in der Zuger Zeitung

  11.03.2026 Leserbriefe

Vorab ist festzuhalten, dass der Journalistin ¾ Seiten für den Bericht, mir als Leserbriefschreiber nur 2’500 Zeichen zur Verfügung stehen. Dies begründet die abstrakte Meinungsäusserung.

Dem positiven Basteln, den blechernen Hits und allgegenwärtiger Kreativität steht gegenüber: Saufen, Kostüme ab Stange, alte Männer in schlechtsitzenden Anzügen, die in Männerbünden Macht und Status verwirklichen. Dazu junge, hübsche, stumm und lächelnde, mit hübschem Figürchen begüterte Frauen, die lediglich der Dekoration dienen. Und überhaupt bleiben sie meist ungenannt, denn sie sind nur fürs Auge da. Dies die Zusammenfassung der Ansicht von Frau Avanzini.

Zu ihrer Begründung beruft sie sich auf eine Soziologin, nimmt deren Studie, impliziert Teile davon aus dem Kontext gerissen, rund die Hälfte ihres Kommentars.

Herabwürdigender kann man Frauen oder eben Ehrendamen kaum beschreiben.

Fasnacht ist Brauchtum und Tradition zugleich. Dies trifft aber auch für Schwing-, Älpler-, Musik-, Turnfeste zu. Unendlich die Liste der lebendigen Traditionen als Teil der kulturellen Vielfalt und Identität. Zum Anforderungsprofil von Ehrendamen gehört erstens und allübergreifend die Identifikation, sei es mit «alten Männern», in der Regel verdiente Persönlichkeiten, dem Brauchtum oder der Tradition, welche Werte und Normen unserer Gesellschaft leben, pflegen und weitergeben. Deshalb gibt es nicht selten Castings oder im Kleinen, bspw. ich durfte mir meine Ehrendamen selber auswählen. Und eben ganz wichtig: Sie sind heute noch berührt und stolz. Und zur weiteren Info: Es gibt sogar Ehrendamenvereine, und ich suche Ehrendamen, die zum ehrenvollen Amt gezwungen wurden.

Es gibt an etwelchen Orten nahezu 80-jährige Frauencliquen, Frauen als Fasnachts- oder Zunftoberhäupter, Männer in der Funktion «Ehrenmen», die Aufzählung ist schier unendlich, und keine frönt dem Feminismus oder Maskulismus, sondern identifiziert sich in erster Linie mit dem Brauchtum oder der Tradition. Dass diese lebendig sind, sich verändern oder gar neu erfinden, ist bewiesen: Meine Mutter war bereits 1992 Fasnachtsoberhaupt mit Ehrenmen.

Zusammengefasst bleibt festzuhalten: Der Kommentar zur Fasnacht ist im Klartext grottenschlechter Journalismus. Er ist schlecht recherchiert, nicht fundiert und einer Ideologie folgend geschrieben.

Noch etwas zum Nachdenken: Nicht selten und oft lehrt uns Geschichte und Gegenwart, dass Ideologien mit der Endung «-ismus» nicht alle und unbedingt vom Guten sind!

Eigentlich gehört auch der Redaktion der Zuger Zeitung eine Schelte, wurde dieser Bericht doch eingekauft. Dies zeigt, dass offenbar auch in der schreibenden Zunft Fachkräftemangel herrscht.

Felix Zweifel, Allenwinden


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