Schülerschaft verewigt auf neuen E-Abfall-Lastwagen
12.02.2025 WirtschaftInnovation Seit Anfang Jahr gleiten die neuen E-Entsorgungslastwagen der Zeba ruhig durch die Quartiere im Kanton Zug. Von den acht Fahrzeugen sind vier mit einem Sujet aus Baar bemalt.
MARCO MOROSOLI
Am letzten Mittwochmorgen im Januar 2025 ist das Postauto der Linie 280, welche Baar mit Hausen am Albis verbindet, proppenvoll. Die Mitfahrenden sind in der Mehrheit unter 20 Jahre alt. Bei der Haltestelle Baar Bachtalen steigt die Schülerschaft aus und macht sich in Richtung Allmig auf.
In der 1987 von der Alfred Müller AG gegründeten Kompostieranlage findet eine spezielle Veranstaltung statt. Schülerschaften verschiedener Zuger Gemeinden haben an einem Malwettbewerb teilgenommen. Dessen Ziel: Sujets, die sich für die Seitenflächen der neuen Entsorgungslastwagen des Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) eignen.
Grosse Teile der Wertschöpfung erfolgen in der Schweiz
Die neue Zeba-E-Flotte umfasst acht Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Die verschiedenen Vorschläge der Schülerschaft sind fein säuberlich auf Holzwände drapiert. Es setzt ein Wettlauf ein, wer seine Zeichnung am schnellsten findet. Minute für Minute steigt die Spannung. Dann steigt der Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp auf die Bühne, um die Wettbewerbssieger bekanntzugeben. Bei jeder Siegermeldung steigt der Lärmpegel der über 300 anwesenden Schülerinnen und Schüler.
Den Siegern wink ein spezielles Erlebnis: Sie dürfen mit den neuen E-Abfall-Lastwagen eine Runde auf der Allmig oberhalb von Baar drehen.
Baar überdurchschnittlich vertreten
Von den acht Lastwagen, die Kompost und Abfall im Kanton Zug sammeln, sind die Hälfte mit Zeichnungen von Baarer Schülern versehen. Eine Kindergartenklasse in der Gemeinde hat im Teamwork eine Zeichnung mit vielen Facetten rund um das Thema Abfall geschaffen. Weitere Projekte, die in die Ränge kamen, haben Schülerschaften aus Menzingen, Zug, Steinhausen und Cham beigesteuert. Darunter befindet sich das Professionellste. Es zeigt Superman, der in jeder Hand einen Abfallsack trägt. Das Zeba-Symbol mit dem Slogan «Abfall ist Wertstoff» prangt auf der Brust der Comicfigur.
E-Fahrzeuge gleichzeitig ladbar
Die Fahrzeuge, die für die nächsten zehn Jahre den Zuger Abfall und Kompost einsammeln, gehören zum Fuhrpark der Firma Hürlimann.
Das Gelände Gulmmatt umfasst eine Fläche von 15 Hektaren. Alle Dächer der auf dem Gelände stehenden Bauten sind mit Sonnenkollektoren bestückt. Lokal erzeugte Energie ist dadurch auch vor Ort nutzbar. Die Risi Immobilien AG, welcher der Liegenschaft gehört, hat in diese Art der Energiegewinnung viele Millionen Franken investiert. Der Risi-Vertreter Adrian Risi erklärt, dass bei diesem Projekt gross gedacht worden sei.
Der Trend zu E-Autos, so Risi, geht weiter. Mit dieser Infrastruktur im Rücken haben die Eigentümer der Liegenschaft Hand geboten, dass alle acht Lastwagen der Firma Hürlimann, die für die Zeba unterwegs sind, gleichzeitig geladen werden können. Was noch fehle, sei ein Energiespeicher, der die stromlose Nacht überbrückt. Die Solaranlage auf der Gulmmatt ist eine der grössten ihrer Art im Kanton Zug. Sie hat eine Spitzenleistung von 1,44 Megawatt.
Interessant ist auch, was der Chef der Firma Hürlimann, Reto Hürlimann, zum Einsatz von E-Mobilität sagt: «Der Dieselbetrieb ist wesentlich teurer als die Nutzung von Elektrizität.» Die weitere Nutzung von fossiler Energie, so Hürlimann, sei auch gar keine Option gewesen. Der Zuschlag bei der Zeba-Ausschreibung, das war von Anbeginn weg klar, war nur mit dem Betrieb einer E-Flotte für die Abfall- und Kompostabfuhr machbar.
Batterien in drei Stunden geladen
Der neue Abfallsammler erfüllt diese Vorgabe. Die von ihm eingesetzten Lastwagen sind neuwertig und entsprechen allen Vorgaben. Das Aufladen der Batterien für die E-Fahrzeuge dauert zwischen zwei und drei Stunden.
Bis 2030 sollen auch die derzeit noch im öffentlichen Raum deponierten blauen Abfallsäcke verschwinden. Die Zeba ist bestrebt, bis 2030 flächendeckend Unterflurcontainer herzurichten. Zu deren Erstellung leistet die kantonale Abfallorganisation auch Kostenbeiträge. Eine solche Anlage sollte dabei nicht mehr als 350 Meter von Liegenschaften entfernt sein.
Der Kanton Zug setzt bei der Bewirtschaftung des Abfalls ausschliesslich auf E-Mobilität. Er ist dadurch schweizweit ein Pionier. Die Zuger Lösung könnte auch anderswo Schule machen. Gegen solches Kopieren hätte auch niemand etwas einzuwenden.