Selbstoptimierung und Limonade für Ahnungslose

  11.03.2026 Musik/Kultur

 In seinem zweiten Solo-Programm beschäftigt sich der türkische Secondo und bekennende Winterthurer Cenk mit Menschen, die eigentlich nur nerven. Guter Rat ist nicht nur teuer, sondern besteht meistens lediglich aus Floskeln. Da ändert auch saures Obst wenig.

LUKAS SCHÄRER

Er könne gar nicht eingebildet sein, weil er gar nicht aus Zürich stamme, sondern aus Winterthur. Dies war einer der ersten Lacher, die der Kabarettist und Stand-Up-Comedian Cenk in der ausverkauften Rathus-Schüür provozierte. «Ratlos» ist sein zweites Solo-Programm, das sich um Selbstoptimierung, Laferis und nervende Beifahrer dreht, die eigentlich «nur die Fresse halten» sollten. Cenk macht seine türkische Herkunft zur Basis vieler seiner Pointen, die er mit hohem Tempo ins Publikum schleudert. Im Gegensatz zu seiner Freundin sei er sehr gut integriert. Sie sei halt Deutsche, während er bereits mit fünf Jahren albanisch sprechen konnte.

Die Lösung aller Probleme ist die dritte Säule
Zur Rahmenhandlung gehörten unter anderem die Fortpflanzungsroutinen seiner Cousine, die für jede Phase ihrer Schwangerschaft eine Party organisierte, auf die Cenk so gar keine Lust hatte. Sein Wunschtraum sei eher ein Fondue ganz alleine. Auf den Partys tummelte sich auch Cenks Cousin, ein penetranter Versicherungsberater, dessen Lösung für alles eine Police der dritten Säule war. Um nicht ganz als Verlierer dazustehen, gab Cenk an, Archäologe zu sein, der einen Eid geschworen hatte, das Geheimnis der Pyramiden nicht zu verraten. Das von Maskulinität strotzende «Wir brauchen grosse Eier!» sei unbrauchbar, da man damit kaum laufen könne. Und weil es im Leben immer noch schlimmer kommen kann, war ein Freund des Cousins Motivationscoach. Und das bei Hochzeiten in der Verwandtschaft unvermeidbare Polter-Wochenende in Berlin demonstrierte, wie substanzlos solche Coaches sind. Cenk: «Es ist die Spitze der Ausbeutung und Ausnutzung. Es trifft immer die, die nichts haben, die ratlos sind und verzweifelt. Es sind falsche Propheten.»

Ein Sixpack kann die Welt nicht verbessern
Ganz allgemein nerven Menschen mit Ratschlägen. Selbstoptimierung lenkt von den wahren Problemen ab. Die Welt wird nicht besser, nur weil wir ein Sixpack haben. Cenk: «Selbsthilfe hat schon einen wahren Kern. Aber es ist zu wenig konkret, was man machen soll.» Solche Coaches sind im besten Fall skurril und zum Fremdschämen, wie der deutsche Rapper Kollegah, oder aber fassungslos problematisch wie Frauenmissversteher Andrew Tate.

Jeder kennt den pseudo-geistreichen Spruch: «Schenkt dir das Leben saure Zitronen, mach Limonade draus!» Cenk dementierte: «Das ist nicht korrekt. Mit Zitronen alleine kann man nicht Limonade machen. Es braucht noch Zucker und Wasser. Zitrone ist auch keine natürliche Frucht, sondern wurde aus anderen Zitrusfrüchten gezüchtet. Insofern hat uns das Leben gar nie Zitronen geschenkt.»

Trotz all der Widrigkeiten gibt es Möglichkeiten, sein Leben zu geniessen. Cenk: «Den Medienkonsum herunterschrauben! Soziale Medien sind quasi die Kür anderer. Man sieht nur deren glanzvollen Teil und vergleicht sich damit. Dazu kommt die ganze Welt der Nachrichten. Das zieht hinunter und man fürchtet sich schlussendlich vor einem Atomkrieg. Es ist besser, mehr bei sich selbst zu bleiben, auf sich selbst zu hören, auf sein Umfeld zu achten.»

Bereits als Kind hatte Cenk erste Auftritte
Cenk arbeitete die Unterschiede verschiedener Pommes-Chips-Marken heraus und wurde von seiner Freundin versehentlich überfahren. Ein gemütlicher Abend mit Film und Taschentüchern könne je nach Geschlecht einen total unterschiedlichen Verlauf nehmen. Das Publikum musste schallend lachen.

Die Bühne hat Cenk schon früh angezogen: «Bereits in der Primarschule hatte ich so kleine Auftritte. Wir hatten in der vierten Klasse immer Mittwochmorgen Klassenstunde, in der wir Probleme besprochen haben. Und irgendwann hat es sich ergeben, dass wir Sketche aufführen konnten. Wir haben dann Sachen von Otto nachgespielt oder von der Wochenshow. Ich war auch beim Schultheater.» Ein Erwachsenwerden später steht nun ein Mann auf der Bühne, der unglaublich sympathisch sein Publikum zum überbordenden Lachen bringt, ohne zynisch zu sein. «Ratlos» endet damit, dass Cenk und seine Freundin Nachwuchs bekommen, und zwar einen Border Collie. Es ist eh ratsam, bei der Fortpflanzung nichts zu überstürzen.


Wettbewerbsauflösung

In der letzten Ausgabe durften wir drei mal zwei Tickets für die Premiere der Volksbühne Baar «Arsène Lupin – und das Collier der Königin» verlosen.
Die Gewinner wurden per E-Mail benachrichtigt.

Gewinner «Arsène Lupin»:
Sabine Albrecht, Priska Röllin und Marianne Wetli


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