Silberflug mit Familiengeschichte

  25.02.2026 Sport

Noé Roth springt in Livigno aufs Podest und schreibt Schweizer Sportgeschichte. 28 Jahre nach seiner Mutter gewinnt der Baarer Freestyler Olympia-Silber in der Disziplin «Aerials» und holt am Samstag gleich nochmals Silber in der Team-Kombination.

RAHEL HEGGLIN

Als Noé Roth im Superfinal auf der Schanze von Livigno zum entscheidenden Sprung ansetzte, stand die Schweiz bereits im Medaillenrausch. Doch was dann folgte, war mehr als nur Edelmetall Nummer 16 für das Schweizer Team: Es war ein Moment, der Sportgeschichte schrieb. Der 25-jährige Baarer sicherte sich mit 131,58 Punkten die Silbermedaille im Aerials-Wettbewerb. Es ist die erste olympische Auszeichnung für die Schweiz in dieser Disziplin seit 2006. Für Roth ist es nicht ganz einfach, die Bedeutung dieser Medaille in Worte zu fassen: «Es ist noch schwierig, das genau zu sagen. Aber es bedeutet mir sehr viel. Das Speziellste daran war sicher, dass ich das alles zusammen mit meinem Papi erleben durfte.» Roth deutet damit an, dass es für seinen Vater und Trainer Michel Roth wahrscheinlich die letzten Olympischen Spiele waren.

Nur ein Punkt fehlt zu Gold
Im Superfinal der besten sechs Athleten zeigte Roth den technisch anspruchsvollen Sprung «Back Double Full-Double-Full-Full» nahezu perfekt. Die Ausführung in der Luft gelang präzise, die Landung sauber. Kleine Abzüge verhinderten jedoch den ganz grossen Triumph. Olympia-Sieger wurde der Chinese Wang Xindi, der denselben Sprung minimal besser in den Schnee setzte. Am Ende fehlten Roth 1,02 Punkte zu Gold. «Warum es nicht ganz gereicht hat, ist schwierig zu sagen. Ich habe mir seinen Sprung noch nicht im Detail angeschaut», so Roth im Interview und ergänzt zufrieden: «Für mich ist es jetzt einfach die Silbermedaille, und damit bin ich sehr zufrieden.»

Zittern vor dem Triumph
Der Weg zur Medaille war für Roth alles andere als selbstverständlich. In der Qualifikation musste er lange um den Finaleinzug bangen. Er schaffte es als Zwölfter gerade noch unter die besten zwölf.

Im Final setzte er dann alles auf eine Karte. Als erster Starter wählte er mit dem «Back Full-Triple Full-Full» einen der schwierigsten Sprünge im Feld. Ein Risiko, das sich auszahlte. Mit 131,56 Punkten zog er souverän in den Superfinal ein.

In den Fussstapfen der Mutter
Die Silbermedaille hat für Roth auch eine persönliche Dimension. 28 Jahre vor ihm gewann seine Mutter Colette Brand-Roth in Nagano Olympia-Bronze in der gleichen Disziplin. Nun schreibt der Sohn das nächste Kapitel der Familiengeschichte und ist sichtlich erfreut darüber: «Es bedeutet mir sehr viel, dass ich in die Fussstapfen meiner Mutter treten darf. Dass wir diese Familientradition weiterführen können, ist unglaublich schön und macht riesige Freude.»

Gemeinde ist stolz und glücklich
Dass er auf der grössten Bühne ablieferte, überraschte den Gemeindepräsidenten nicht. «Wir waren überzeugt, dass er einen Super-Gump abliefern wird. Sensationell und wunderbaar», so Walter Lipp. Er habe sich die Zeit genommen, den Wettkampf live zu verfolgen «ganz allein und mit innerlicher Anspannung im Baarer Rathaus». Die Gemeinde sei «sehr stolz und glücklich», dass Roth seine Leistung habe abrufen können.

Gewürdigt werden soll der Silber-Olympiasieger in Baar auch noch. «Zuerst lassen wir ihn jetzt in Ruhe seinen Erfolg und seine Medaille geniessen», so Lipp und ergänzt: «Auf alle Fälle wäre es sehr schön, wenn er an der Sportlerehrung am 18. September im Gemeindesaal teilnehmen wird. Da lässt sich dann sicher etwas Baar-würdiges machen.»

Zweites Silber im Team
Der Exploit im Einzel blieb nicht Roths einzige Auszeichnung in Livigno. Am Samstag doppelte der Baarer nach und gewann in der Team-Kombination gemeinsam mit seinen Schweizer Teamkolleginnen und -kollegen ebenfalls die Silbermedaille.

Historische Medaille
Noé Roths Silbermedaille im Einzelwettkampf war am Freitag eine historische: Sie war die 16. Medaille für die Schweiz an den Olympischen Spielen in Norditalien. So erfolgreich waren die Schweizer Athletinnen und Athleten an Olympischen Winterspielen davor noch nie. Roth geniesst nun erstmal zwei Wochen Ferien zu Hause in Baar, bevor es ihn an die Wärme zum Surfen zieht.


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