Sprung gegen die internationale Konkurrenz

  14.01.2026 Sport

Mitten in der Weihnachtszeit hat sich Sheryl Fischlin mit der Weltelite im Rope Skipping gemessen. An der Weltmeisterschaft in China sammelte die 20-Jährige kulturelle Eindrücke und wichtige sportliche Erfahrungen.

RAHEL HEGGLIN

Zum zweiten Mal stand Sheryl Fischlin am Start einer Weltmeisterschaft im Rope Skipping. Ende Dezember reiste die 20-Jährige mit der Schweizer Delegation nach Guangzhou in China, wo sie sich mit über 3’000 Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt mass. «Es war eindrücklich, alles war gross und professionell organisiert», sagt sie rückblickend. Besonders das gemeinsame Einwärmen mit Athletinnen und Athleten aus sämtlichen Nationen habe ihr die internationale Dimension des Anlasses vor Augen geführt.

Grossanlass mit hoher Nervosität
Die Weltmeisterschaft begann am 24. Dezember und dauerte drei Wettkampftage. Für Fischlin war es eine emotionale Herausforderung. «Ich war noch nie so nervös wie an diesem Wettkampf», erzählt sie. Die Organisation sei hervorragend gewesen, dennoch habe der Druck spürbar zugenommen, je näher der Start rückte. Insgesamt gingen rund 30 Teams in verschiedenen Kategorien an den Start, dazu zahlreiche Einzelathletinnen. Die Baarerin trat sowohl in Einzel- wie auch in Teamdisziplinen an.

Platzierungen zwischen Show und Speed
Im Einzelwettkampf zeigte die Baarerin einen Freestyle auf Musik. Innerhalb von einer Minute und 15 Sekunden präsentierte sie eine einstudierte Choreografie mit Akrobatik, Mehrfachdurchzügen und Krafttricks. In dieser Kategorie erreichte sie den 17. Rang. «Es hätte besser laufen können, aber auch schlechter», bilanziert sie nüchtern. Im Team startete sie in einer Geschwindigkeitsdisziplin, dem Single Rope Speed Relay. Dabei absolvierte jedes Teammitglied während 30 Sekunden möglichst viele Sprünge. Fischlin kam auf 80 Sprünge. «Bei den Wettkämpfen wird jeweils nur das rechte Bein gezählt», präzisiert sie die Bilanz. Das Schweizer Team klassierte sich auf dem zehnten Platz in der Kategorie «Mixed», da im Vierer-Team auch ein Mann mitsprang. «Die Schweizer Delegation bestand insgesamt aus fünf Athletinnen und Athleten. Drei kamen aus Kriens, jemand aus Gösgen. Aus Baar war ich die Einzige.»

Kosten und Eigenfinanzierung
Finanziell stellt der internationale Leistungssport eine Herausforderung dar. Obwohl bei dieser Weltmeisterschaft die Kosten von China übernommen wurden, ist das nicht die Regel. An Europameisterschaften oder anderen internationalen Wettkämpfen müssen Reise und Unterkunft meist selbst bezahlt werden. «Rope Skipping ist in der Schweiz ein Randsport, da bekommt man wenig Unterstützung», sagt Fischlin. Ihr Verein kann punktuell helfen, den grössten Teil trägt sie jedoch selbst. Obwohl sie auch von ihrer Familie unterstützt wird, versucht sie, die Kosten hauptsächlich selbst zu stemmen. So arbeitet sie während der Semesterferien als Skilehrerin im Gebiet Sattel-Hochstuckli, früher war sie in einer Bäckerei tätig.

Rope Skipping als Pflichtfach
Neben dem sportlichen Teil hinterliess das Gastgeberland weitere Eindrücke. Guangzhou liegt rund zwei Stunden von Hongkong entfernt und zeigte Fischlin eine völlig neue Seite Chinas. «Alles ist extrem dicht, aber gleichzeitig riesig», beschreibt sie. Besonders erstaunt war sie über die Bedeutung ihres Sports. Denn in China ist Rope Skipping Teil des obligatorischen Schulsports. «Man muss in einer Minute 112 Sprünge schaffen, sonst besteht man die Mittelschule nicht», erzählt sie. Diese Verankerung erkläre auch das hohe Niveau der asiatischen Athletinnen und Athleten.

Ein Sport als Leidenschaft
Zum Rope Skipping kam die 20-Jährige bereits mit sechs Jahren. Eine Klassenkameradin zeigte ihr erste Sprünge, wenig später trat sie dem Verein bei. Seither ist sie dem Sport treu geblieben. «Es gab Phasen, in denen ich kurz gezweifelt habe, aber es lief immer gut und die Gemeinschaft hat mich gehalten», sagt sie. Heute trainiert sie dreimal pro Woche je zwei Stunden in der Halle und ergänzt ihr Programm mit Krafttraining im Fitnessstudio.

Titel, Studium und Zukunftspläne
National zählt die Baarerin seit Jahren zur Spitze. Sie wurde mehrfach Schweizer Meisterin und stand auch schon an Europameisterschaften im Einsatz. Parallel dazu absolvierte sie die Matura und studiert seit diesem Sommer Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Luzern. Beruflich interessiert sie sich für die Medienbranche, sportlich möchte sie international weiter angreifen. «Ich will möglichst viele Wettkämpfe erleben und mich weiterentwickeln», sagt sie. Die Weltmeisterschaft in China war dafür ein wichtiger Schritt, denn sie lernte neue Techniken kennen, die sie zukünftig in ihre Trainings einbauen möchte.


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