Sternstunden in Allenwinden mit Stars auf der Bühne
29.01.2025 Musik/KulturDas Jahreskonzert der Feldmusik Allenwinden vom 17./18.-Januar-Wochenende stand ganz unter dem Motto «Stars und Sterne».
HANS-PETER SCHWEIZER
Der Vorhang ging auf, und zum allgemeinen Erstaunen erschien der strahlende Maestro Daniele Giovannini am Dirigentenpult. Mit dem Marsch «Marignan» hatte sich der Wahl-Walliser Jean Daetwyler zum 50. Jubiläum des Mittelwalliser Musikverbands ein klingendes Denkmal gesetzt. Eine erste Assoziation mit dem Konzert-Motto deutete sich mit den 13 Sternen im Walliser Wappen an. Die freundschaftliche Beziehung unter Musikdirigenten manifestierte sich in der Tatsache, dass Dirigentennachfolger Pascal Zenklusen als Walliser dem Tessiner Giovannini für die Walliser Hymne den Taktstock überliess. Es war zugleich das letzte Mal, dass Giovannini den 53 Musikantinnen und Musikanten den Rhythmus vorgab. Dass in Allenwinden vieles ein wenig anders verläuft als andernorts, zeigte sich nach der Begrüssung des Präsidentenduos Saskia Arnold und Marco Andermatt. «Das war dein letztes Mal, Daniele. Du musst nun Jacke, Fliege und Taktstock an deinen Nachfolger Pascal Zenklusen übergeben». Nach acht Jahren erfolgreicher Tätigkeit des Tessiners mit den Musikern aus dem Baarer Satellitendorf wird nun ein Walliser die «Musik-Stars vom Berg» weiter formen.
Sonnensturm, Mondlandung und brennende Sterne
Nach der «Umkleidung» der beiden Dirigenten übernahm der neue «Star-Dirigent» sogleich das Zepter. «Stars haben wir hier auf der Bühne ganz viele, eigentlich alle», meinte Moderator Beat Ritzmann, «der nächste Titel heisst nämlich ‹Stars on Fire›. Unter einem glücklichen Stern geboren sein, jemandes Glücksstern sein oder Feuer und Flamme sein, all diese Ausdrücke inspirierten den Schweizer Marc Jeanbourquin dazu, das Stück «Stars on Fire» zu komponieren. Jeanbourquin ist es gelungen, durch die Kombination aus Feuer und Sternen ein Stück voll positiver Energie und guter Stimmung mit einem strahlenden Thema entstehen zu lassen.
Gleich anschliessend sorgte ein Sonnensturm bzw. «Solar Storm» aus der Feder des kanadischen Komponisten David Marlatt für Aufsehen. Das farbenfrohe, rhythmische Stück ist in die vier Abschnitte «Sunspots», «Ode to Helios», «The Carrington Event» und «Aurora Borealis» unterteilt. In der Ode an Helios, den Sonnengott aus der griechischen Mythologie, sangen die Allenwinder einen Gesang, der eine eindringliche, majestätische und feierliche Stimmung in der Aula zu erzeugen vermochte.
Mit dem Stück «Apollo 11» verweilte man noch ein wenig im Weltraum. Da sassen im Sommer 1969 unzählige Junge wie Erwachsene vor dem Fernseher und fieberten mit. Das faszinierende Werk des Österreichers Otto Schwarz aus dem Jahr 2016 liess die Konzertbesucher dieses Jahrhundertereignis Schritt für Schritt, vom Countdown bis zur Landung auf dem Mond, neu erleben. Die von den Musikern fantastisch interpretierte musikalische Rückblende auf das historische Ereignis vermittelte das Gefühl, als sei man selbst in der Raumfähre von Apollo 11.
Das Stück «Klezmer Karnival» widerspiegelt die Klezmer eigene Mischung aus Fröhlichkeit und Melancholie. Diese Volksmusiktradition stammt vorwiegend aus den jüdischen Gemeinden Osteuropas.
Philip Sparke verarbeitete in seinem Werk drei unterschiedliche traditionelle Klezmermelodien: einen Hochzeitstanz mit Glückwünschen für Braut und Bräutigam, einen Rundtanz und einen sogenannten Scherentanz.
Trommelfaszination mit der Jungmusik
Das Stück «Fascinating Drums» benötig ein vielfältiges und engagiertes Perkussionsregister. Man hört darin nicht nur das Drumset, sondern viele andere Rhythmusinstrumente wie Trommeln, Becken, Triangel, Xylophone, Marimbas und selbst Autohupen, eigentlich alles, was irgendwie Rhythmus machte. Die Baarer Musikschullehrerin Doris Affentranger schaffte es, den perkussiven Jung-Musikerinnen und -Musikern eine hohe technische Präzision und rhythmische Genauigkeit zu vermitteln, um die komplexen Passagen fehlerfrei spielen zu können – das schafften die Jung-Drummer leicht und locker.
«Es ist Zeit für einen Cocktail, finden Sie nicht auch?» meinte Moderator Ritzmann und leitete damit über zur schwungvollen Komposition «Clarinet Cocktail». Diese Komposition bot den Klarinette spielenden eine Plattform, um ihr technisches Können zu präsentieren. Sie waren während des ganzen Stücks durchgehend gefordert, der tosende Applaus in der vollbesetzten Aula war den Klarinett-Akrobatinnen und Klarinett-Artisten sicher.
«Selections from the greatest Showman», die US-amerikanische Filmbiografie über den Zirkuspionier P. T. Barnum und Hey Tonight aus den 1970er Jahren, arrangiert von James L. Hosay, bildeten den Abschluss des offiziellen Teils. Zum Schluss meinte der Moderator nur noch: «Die Feldmusik hätte ganz aus Versehen noch ein paar Stücke mehr eingeübt, wie im Programm zu lesen war.»