Sybilla Graf ist eine Sammlerin aus Leidenschaft

  17.06.2026 Musik/Kultur

Kultur Was haben Eierbecher, Eulen und Kochbücher gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl nichts. Verbunden werden diese drei Gegenstände durch Sybilla Graf, die genau diese drei Sachen seit Jahren sammelt.

FRANZ LUSTENBERGER

«Eulen nach Athen tragen» ist eine bekannte deutsche Redewendung, entstanden in der Antike, als Griechenland die damals bekannte Welt beherrschte. Eulen waren das Symboltier der Göttin Athene, der Göttin der Weisheit und Klugheit. Mit den Eulen verbindet Sybilla Graf aber nicht Weisheit, obwohl die Eulen in ihrer Wohnung, jede für sich einzigartig, einfach nur Schönheit ausstrahlen. «Ich habe in den Ferien mal eine Eule gekauft», so beschreibt sie den Anfang ihrer Sammlung. Oder dann auch von Freunden und Bekannten erhalten, da diese von ihrem Sammelinteresse wussten. Wie viele es mittlerweile sind? «Keine Ahnung, ich zähle sie nicht.»

Loslassen gehört zum Sammeln dazu. Etwa als das Ehepaar Graf vor ein paar Jahren in die jetzige, kleinere Wohnung an der Grabenstrasse umzog. Da habe sie vieles weggegeben: «Schmerzhaft, aber es geht, weil ich weiss, dass jemand anders Freude daran hat.» Ein beliebter Ort zum Weggeben von Büchern ist die Halle 44 in Baar, ein Shop in einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung, das Stellensuchenden eine Tagesstruktur bietet. Manchmal findet die Sammlerin aber auch dort eine Rarität, die sie gerne mit nach Hause nimmt. Eulen und Eierbecher werden aber keine mehr gesammelt.

Gerichte sind auch Geschichten
Die grosse Wand im Wohnzimmer ist voller Kochbücher. Mittlerweile sind es über 2’000 Bücher, alle in deutscher Sprache. Da finden sich alle Klassiker der Schweizer Küche, etwa Elisabeth Fülscher, Annemarie Wildeisen, Agnes Amberg, Tanja Grandits oder Andreas Caminada. Einen Akzent setzt Graf auf die Klassiker der Schweizer Küche: «Ich habe viele Bücher, die mit dem Kanton Zug und anderen Kantonen in Verbindung stehen.» Oder es sind Kochbücher aus Klöstern.

Kochbücher sind aber viel mehr als die Sammlung von Rezepten. Kochbücher geben einen vertieften Einblick in die Kultur der jeweils lokalen Essgewohnheiten, in ihre Geschichte und von Künstlerinnen und Künstlern. Etwa zu Gast bei Giuseppe Verdi oder als Gast bei Auguste Renoir, dem Maler und Gourmet aus Frankreich. Oder das Jazz-Kochbuch. Alle diese – und noch viel mehr – stehen bei Graf im Wohnzimmer. Es sind eigentliche Kunstbücher mit Fotos, Bildern und Geschichten, in denen man lesen kann wie in einem Roman. «Kochen ist Kultur», sagt die Baarer Sammlerin. Und sie schafft Gemeinschaft, wie es die Schweizer Starköchin Tanja Grandits auf ihrer Homepage ausdrückt: «Kochen ist etwas vom Grundlegendsten, was wir Menschen füreinander tun.» Die Kochbücher sind ihr und ihrem Mann Ruedi Inspiration beim Kochen. «Ich nehme einfach ein Buch hervor und probiere das Rezept aus.» Auch mit den gut 150 Eierbechern verbinden sich Erlebnisse und Geschichten; einzelne, ältere Exemplare seien aber schon sehr wertvoll. Eigentlich zu schade, um sie nur Gästen zeigen zu können. Denn neben Eierbechern, Eulen und Kochbücher zieren noch einige Frösche die Wohnung, eine kleine Sammlung. Ruedi war im Jahr 2009 der 49. Zunftmeister der Fröschenzunft Inwil. Sybilla sammelt – wie sie selber sagt – «aus Leidenschaft», mit dem Gespür für schöne Sachen mit Verbindungen zu ihrem Leben und einfach aus Freude.


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