Trockenheit und Hitze fordern die Bauern heraus

  21.10.2026 Wirtschaft

Landwirtschaft Der Herbst ist die Zeit der Ernte – Zeit, Bilanz zu ziehen. Vier Bauern aus Baar blicken auf das Landwirtschaftsjahr 2026 zurück und machen einen Ausblick auf 2027.

FRANZ LUSTENBERGER

«Endlich hat es einen Tag lang geregnet», sagt Philipp Hotz, Betriebsleiter des Hotzenhofes in Deinikon. Das just am Tag, als die letzten Äpfel geerntet wurden. Die Obsternte geht rund zwei Wochen früher zu Ende als in durchschnittlichen Jahren.

Und sie fällt beim Tafelobst geringer aus: «Die Äpfel sind dieses Jahr kleiner», so Hotz. Er beziffert den Ernteausfall auf rund 20 Prozent. Der Hotzenhof liefert Obst hauptsächlich an Grossverteiler, an deren Vorgaben bezüglich Grösse oder Aussehen man sich halten müsse. Die Grossverteiler hätten dieses Jahr aber beispielsweise auch minimal kleinere Zwetschgen akzeptiert. Trotzdem hat er manchmal seine Zweifel: «Die Konsumentinnen und Konsumenten sind auf die perfekte Frucht ausgerichtet.»

Auch wenn Trockenheit und Hitze die Landwirtschaftsbetriebe belastet haben, soll man auch die positive Seite nicht vergessen. Es gab im Frühjahr kaum nennenswerten Frost, und auch ein grosser Hagelschlag wie in Vorjahren ist ausgeblieben. Hotz ergänzt: «Und dank der Sonne wird es ein gutes Weinjahr.»

Güllenloch wird zum Wasserspeicher
Auf einen weiteren positiven Effekt des trockenen Frühjahrs weist Beat Horat, ebenfalls in Deinikon, hin.

Man habe deutlich weniger Pestizide einsetzen müssen. Er bezeichnet sich im Gespräch als «Hobbybauer», dessen Hofladen aber trotz der geringen Grösse ein breites Angebot aufweist. Dafür verantwortlich ist die Zusammenarbeit mit dem Klosterhof in der Stadt Zug, mit dem er familiär verbunden ist. Wie der benachbarte Hotzenhof hält auch dieser kein Vieh. Das hatte im heissen Sommer einen Vorteil: Die ehemalige Jauchegrube dient nun als Wasserspeicher, in dem das Regenwasser aufgefangen wird. Er erwähnt auch eine weitere schädliche Folge des heissen Sommers, nämlich den Sonnenbrand bei Bäumen und Früchten.

Vielfalt im Anbau als Rezept
Nicht alle Landwirtschaftsbetriebe haben diese Möglichkeit der Wasserspeicherung. Auch der Sternenhof ist, wie die Privathaushalte, auf die Wasserversorgung der Korporation angewiesen. Joel Andermatt betont dafür andere Möglichkeiten, um trotz schwieriger Ausgangslage gut durchs Jahr zu kommen. «Unser Betrieb ist breit aufgestellt.» Dank der Wärme im Frühling habe man eine sehr gute Spargelernte gehabt, und jetzt im Herbst sind es die Kürbisse, welche den Sternenhof zieren. Mit der Vielfalt der angebauten Produkte könne man das Risiko von grösseren Einbussen auf mehrere Standbeine verteilen.

Noch konkret zu den Kürbissen: Im Sternenhof wurden im Mai auf 50 Aren, umgerechnet 5’000 Quadratmetern, insgesamt 1’200 selbstgezogene Kürbissetzlinge ausgepflanzt. Eine regelmässige, aber gezielte Bewässerung sei in diesem Sommer bei den Obst- und Gemüsekulturen nötig gewesen. «Eine so lange Dauer an Bewässerung haben wir noch nie erlebt», betont Andermatt.

Erdbeeren für 2027
Nach der Erdbeerernte ist vor der Erdbeerernte. Dieser Satz gilt ganz besonders für Pirmin Landolt, Landwirt in der Unterau. Im Hochsommer wurden über 11’000 Erdbeerpflanzen gesetzt. «Ohne regelmässige Bewässerung bis im September hätten wir nicht pflanzen können.» Draussen auf dem Feld zu arbeiten sei bei dieser Hitze auch schwierig gewesen. Landolt und Andermatt verweisen darauf, dass man die Arbeitszeiten – also frühmorgens und spät am Abend – angepasst habe: «Unsere Arbeitstage wurden wegen der Hitze länger.» Ein weiteres Beispiel für die Diversifikation in der Unterau sind die 440 Legehennen, deren Eier im eigenen Hofladen oder an Restaurants der Umgebung verkauft werden.

Alle vier Betriebe führen einen eigenen Hofladen; sie verkaufen Produkte selber an die Konsumentinnen und Konsumenten. Beim Sternenhof geht gar nichts in den Grosshandel. Hotz dazu: «Wir veredeln und vermarkten unser Angebot möglichst selber.» Die Wertschöpfung bleibt bei den Landwirten.

Sicherung des Wassers für die nächsten Jahre
Es ist davon auszugehen, dass auch die nächsten Jahre aufgrund der Klimaerwärmung wärmer und trockener sein werden. Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Umso wichtiger wird eine sichere Versorgung mit Wasser für die Landwirtschaft, auch in den heissen Monaten. Eine entsprechende Motion für eine kantonale Wasserstrategie wurde im Kantonsrat erheblich erklärt. Diese wird nun erarbeitet und soll auch die Interessen der Bauernbetriebe mit ihren verschiedenen Kulturen berücksichtigen. Damit wir auch in Zukunft Obst essen und Most trinken können, und zwar aus Baarer Produktion.


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