Unterfeld Süd: Baar baut weiter am Wandel
11.03.2026 PolitikDas deutliche Ja zum Bebauungsplan zeigt: Die Bevölkerung bekräftigt ihren Willen, das Unterfeld Süd zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Baar und der Stadt Zug weiterzuentwickeln.
INGRID HIERONYMI
Die Baarer Stimmberechtigten haben am Sonntag ein klares Zeichen gesetzt: Mit 77,54 Prozent Ja-Stimmen wurde der Bebauungsplan für die Baubereiche 1A und 1B im Unterfeld Süd angenommen. Damit kann die zweite Etappe des neuen Quartiers realisiert werden; ein weiterer Meilenstein in einem Prozess, der seit Jahren die politische Agenda prägt und die Gemeinde sowohl räumlich als auch inhaltlich herausfordert.
Ein Quartier nimmt Gestalt an
Gemeinderat Zari Dzaferi zeigte sich nach der Abstimmung hoch erfreut: «Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.» Schon an der Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan hatte er betont: «Auch wenn wir auf dem Weg einige Hürden angetroffen haben, sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, an welchem wir zuversichtlich in die Zukunft schauen können.» Die Bevölkerung hat diese Zuversicht nun bestätigt und damit auch das Vertrauen in die langfristige Entwicklungsstrategie des Gemeinderats. Auf die Gründe für das sehr gute Abstimmungsergebnis angesprochen, sagt Dzaferi: «Die hohe Akzeptanz ist darauf zurückzuführen, dass wir die Bevölkerung eng in den Planungsprozess einbezogen haben. Die deutliche Zustimmung zeigt, dass Einigkeit darüber herrscht, dass wir mehr Wohnraum benötigen, insbesondere im preisgünstigen Segment.»
Das Unterfeld Süd gilt als eines der wichtigsten Transformationsgebiete Baars. Mit der ersten Etappe, die 2024 mit 74 Prozent angenommen wurde, wurde der Grundstein gelegt. Die zweite Etappe führt diese Entwicklung fort – dichter, urbaner und mit einem klaren Fokus auf Wohnraum, Freiraum und Mobilität.
Preisgünstiger Wohnraum im Fokus
Besonders ins Gewicht fällt der Anteil an preisgünstigen Wohnungen. Rund 90 der insgesamt 280 geplanten Wohnungen werden nach dem kantonalen Wohnraumförderungsgesetz (WFG) realisiert. Das bedeutet: Mieten nach dem Kostenmietprinzip, ohne Renditeaufschläge. Für eine 4-Zimmer-Wohnung in Baar liegt der Richtwert laut Kanton bei rund 2’300 Franken Nettomiete pro Monat. Dies ist ein Betrag, der deutlich unter den marktüblichen Preisen liegt und vielen Haushalten den Zugang zu erschwinglichem Wohnraum ermöglicht.
Die Gemeinde arbeitet hierfür eng mit den Baarer Wohnbaugenossenschaften zusammen. Diese verpflichten sich, die Wohnungen langfristig günstig zu halten und nur an Personen zu vermieten, die die Einkommens- und Vermögensgrenzen erfüllen. An der Info-Veranstaltung wurde die Frage gestellt, wie sichergestellt werde, dass die Wohnungen tatsächlich bei den richtigen Personen landen. Dzaferi erklärte: «Der Gemeinderat pflegt mit dem Kanton einen engen Austausch, damit geeignete Personen die preisgünstigen Wohnungen erhalten.» Haushalte mit geringem Einkommen könnten zusätzlich kantonale Mietzuschüsse erhalten.
Freiräume statt Verkehr
Ein zentrales Element des Projekts ist die weitgehend autofreie Gestaltung des Quartiers. 251 Parkplätze werden in einer gemeinsamen Tiefgarage untergebracht, oberirdisch sind nur zehn Parkplätze vorgesehen. Gleichzeitig entstehen 1’153 Veloabstellplätze. Ein klares Signal für eine zukunftsgerichtete Mobilität, die auf kurze Wege, ÖV-Anbindung und Veloverkehr setzt.
Der Anteil an Freiräumen ist gross: Ein öffentlicher Quartierplatz, ein Spielplatz, ein begrünter Innenhof und die sogenannte «Parkspur» entlang der Gemeindegrenze zur Stadt Zug schaffen Aufenthaltsqualität. Die Wege sind so angelegt, dass Fussgänger und Velofahrer das Areal sicher und direkt durchqueren können. Der Innenhof ist bewusst ruhiger gestaltet, während der Boulevard und der Quartierplatz stärker belebt sein sollen. Der klimaangepassten Siedlungsentwicklung und der Landschaftsarchitektur wird grosses Gewicht beigemessen. «Die Umgebung soll einen parkähnlichen Charakter erhalten und für die Öffentlichkeit gut zugänglich sein», sagte Michael Camenzind, der im Auftrag der Gemeinde das Projekt leitet, an der Informationsveranstaltung. Und weiter: «Wir wollen den Spuren der Landschaft Rechnung tragen, insbesondere was den Lorzenraum betrifft.»
An der Informationsveranstaltung kam auch die Frage nach der Sicherheit des Velowegs auf. Ein Teilnehmer äusserte Bedenken, ob eine Trennung von Fuss- und Veloverkehr möglich sei. Dzaferi stellte klar, dass der Veloweg ein kantonales Projekt sei und ausserhalb des Bebauungsperimeters liege. Eine Trennung sei aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse bisher nicht vorgesehen, «aber man muss ein Auge darauf haben, um mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen.»
Ein Projekt mit breiter Abstützung
Dass während der öffentlichen Auflage des Bebauungsplans im Sommer 2025 keine einzige Einwendung einging, wertete der Gemeinderat bereits im Vorfeld als positives Zeichen. Auch die Stimmberechtigten haben nun bestätigt, dass sie die Entwicklung klar mittragen.
Die zweite Etappe führt fort, was mit der ersten Etappe begonnen wurde: ein neuer, lebendiger Ortsteil, der Wohnen, Arbeiten und Begegnung verbindet. Die Mischung der Nutzungen – Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, Gewerbe und publikumsorientierte Erdgeschosse – soll ein vielfältiges Quartierleben ermöglichen.
Das Unterfeld Süd ist Teil eines grösseren räumlichen Wandels, der sich über Jahre erstreckt und auch die Bahnmatt, das Zentrum und die Mobilitätsdrehscheiben betrifft. Für Baar bedeutet das Ja nicht nur zusätzlichen Wohnraum, sondern auch eine städtebauliche Aufwertung durch das neue Quartier. Die Gemeinde wächst, und das Unterfeld Süd wird ein wichtiger Teil dieses neuen, urbanen Bandes zwischen Baar und Zug.



