Vom Lernenden zum Meisterschaftskandidaten

  25.03.2026 Wirtschaft

Bald starten im Kanton Bern die SwissSkills Championships. Das sind die Berufsmeisterschaften der Besten ihres Fachs. Auch Livio Roth aus Allenwinden kämpft als gelernter Baumaschinenmechaniker ums Podest.

RAHEL HEGGLIN

Wenn Livio Roth über Baumaschinen spricht, merkt man schnell: Technik fasziniert ihn. Der 20-Jährige hat seine Lehre mit der hervorragenden Note 5,3 abgeschlossen und gehört damit zu den besten Absolventen seines Jahrgangs. Nun darf er an den SwissSkills Championships am 31. März und 1. April teilnehmen. Die SwissSkills Championships sind die spezifischen Schweizer Meisterschaften der einzelnen Berufe.

Zu verdanken hat er die Teilnahme seinen guten Leistungen. «Ich habe mich nicht beworben. Die besten Lehrabsolventen wurden kontaktiert und gefragt, ob sie Interesse haben.»

Dass er so erfolgreich war, führt er nicht nur auf Fleiss zurück. «Ich habe einfach das Glück, dass ich Dinge schnell aufnehmen kann. Wenn ich etwas zwei- oder dreimal höre, verstehe ich es meistens sofort.» Viel gelernt habe er vor den Abschlussprüfungen nämlich nicht.

Die Heinzelmännchen der Servicetechniker
Besonders spannend findet Roth die praktische Arbeit. Nach seinem Lehrabschuss im vergangenen Sommer wurde er von seinem Lehrbetrieb, der Avesco AG, als Servicetechniker angestellt. In dieser Funktion geht er direkt zu den defekten Maschinen auf die Baustellen. «Man kommt zu einem Problem und kann helfen, dass die Maschine wieder funktioniert. Das finde ich cool.» Cool findet er auch sein Servicetechniker-Auto, das er mit Stolz präsentiert. «Dieses wird über Nacht von einem Kurier mit dem nötigen Material befüllt, damit ich am Morgen direkt von zu Hause auf die Baustellen losfahren kann.» Für Laien ein aussergewöhnlicher Vorgang. Roth erklärt es so: «Die Kuriere haben einen Schlüssel von den zu befüllenden Fahrzeugen und wissen, welche Ersatzteile wir für unsere Aufträge brauchen. Also liefern sie diese über Nacht.»

Ein aussergewöhnlicher Lernender
Dass Roth einmal an den SwissSkills Championships teilnehmen könnte, überraschte seinen ehemaligen Lehrlingsbetreuer Markus Bieri nicht. «Er war der beste Schüler, den ich je hatte», sagt dieser. Seit rund zwanzig Jahren betreut er Lernende, doch Roth sei der erste, der es an die Berufsmeisterschaften geschafft habe. «Er hat die Voraussetzungen mitgebracht: Motivation, Lernbereitschaft und eine gewisse Grundintelligenz», sagt der Ausbildner. Besonders beeindruckt habe ihn Roths Einstellung zur Arbeit. «Er war ein super Lehrling.» Entsprechend gross ist auch der Stolz im Betrieb. Wenn es zeitlich passt, will Bieri seinen ehemaligen Schützling auch bei den Wettkämpfen besuchen.

Dezentrale Meisterschaften
Die diesjährigen SwissSkills Championships finden nicht als grosse nationale Veranstaltung statt, sondern dezentral. Regula Baumgartner, Medienverantwortliche der Berufsmeisterschaften Agrotec Suisse, erklärt den Hintergrund: «Die nationalen SwissSkills in Bern werden im Zweijahresrhythmus durchgeführt. Die nächsten finden 2027 statt. In den Zwischenjahren werden deshalb viele Berufsmeisterschaften von den einzelnen Berufsverbänden organisiert.» Diese sogenannten «Swiss-Skills Championships» finden direkt an Ausbildungs- oder Branchenstandorten statt. Das bringe auch Vorteile. «Ein grosser Vorteil ist, dass die Infrastruktur bereits vorhanden ist», sagt Baumgartner. In Aarberg, wo die Meisterschaft der Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechaniker stattfindet, gebe es moderne Arbeitsplätze und die nötigen Werkzeuge und Maschinen. Bei den nationalen SwissSkills in Bern muss hingegen erst viel Material transportiert und dann der Arbeitsplatz hergerichtet werden. Zudem sei die Umgebung im Ausbildungszentrum ruhiger, was den Teilnehmenden helfe, sich besser auf ihre Aufgaben zu konzentrieren.

Ein wichtiger Schritt
Für Roth ist die Teilnahme an den SwissSkills Championships eine grosse Chance. Die Besten qualifizieren sich möglicherweise für internationale Wettbewerbe wie die World-Skills oder EuroSkills. «Jemand aus den Plätzen 1 bis 3 wird an den EuroSkills in Düsseldorf teilnehmen,w die im kommenden Jahr stattfinden», erklärt die Medienverantwortliche der SwissSkills Championships. Doch Roth bleibt bescheiden. Für ihn steht vor allem die Erfahrung im Vordergrund: «Ich finde es spannend zu sehen, wie andere arbeiten und was sie können.» Sein ehemaliger Ausbildner ist jedenfalls überzeugt, dass sein Schützling gut vorbereitet ist. Ob es am Ende fürs Podest reicht, wird sich zeigen. Die Daumen drücken werden ihm sicher auch die vielen Jugendlichen in Allenwinden, die der 20-Jährige als Abteilungsleiter der Pfadi und als Jugendriegenleiter beim Turnverein betreut.


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