Wer baut eigentlich morgen noch unsere Häuser?

  03.06.2026 Leserbriefe

Die SRF-Reportage über den Alltag auf Zuger Baustellen hat mich beeindruckt und berührt. Sie zeigt Menschen, die täglich körperliche Höchstleistungen erbringen – bei Hitze, Regen und enormem Zeitdruck. Menschen, die unsere Wohnungen, Schulen, Pflegeheime und Strassen bauen und trotzdem oft kaum gesehen werden.

Besonders geblieben ist mir der Stolz eines Maurers auf seine Arbeit. Sein Satz, dass er am Abend neben einem Mann im Anzug «eindeutig stolzer» sei, hat mich nachdenklich gemacht. Denn tatsächlich vergessen wir in politischen Debatten oft, wem wir unseren Alltag überhaupt verdanken. Ohne Menschen auf dem Bau steht unser Land still.

Gleichzeitig zeigt die Reportage schonungslos die Realität auf dem Bau: kaputte Rücken, hoher Konkurrenzdruck und Fachkräftemangel. Viele verlassen den Beruf früh, weil die Belastung enorm ist. Genau deshalb irritiert mich die Chaos-Initiative der SVP umso mehr.

Denn gerade auf dem Bau hört man unterschiedlichste Sprachen. Schweizerinnen und Schweizer arbeiten dort seit Jahren Seite an Seite mit Menschen aus Portugal, Italien oder anderen EU-Ländern. Sie arbeiten hart, zahlen Steuern und tragen wesentlich dazu bei, dass in der Schweiz überhaupt gebaut werden kann. Die Initiative würde jedoch die Beziehungen zur EU gefährden und den Familiennachzug einschränken. Damit schafft sie Unsicherheit für genau jene Menschen, die unser Land mitaufbauen.

Wer den Menschen auf dem Bau wirklich zuhört, merkt schnell: Sie brauchen keine politischen Schuldzuweisungen gegen Migrantinnen und Migranten. Sie brauchen faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen, Schutz vor Lohndumping und mehr gesellschaftliche Anerkennung.

Die Reportage hat eines deutlich gemacht: Hinter jedem Gebäude stehen Menschen, die oft ihre Gesundheit opfern, damit unsere Gesellschaft funktioniert. Ihnen sollten wir mit Respekt begegnen – nicht mit Misstrauen und Abschottungspolitik. Deswegen sage ich Nein zur Chaos-Initiative am 14. Juni.

Ronahi Yener, SP Kantonsrätin, Baar


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